Legasthenie: Wenn Buchstaben ähnlich aussehen und gleich klingen

GEsicht einer jungen Frau mit Brille und blonden, halblangen Haaren
Dr. Maria Rauschenberger

Seit Kurzem können neben blinden und sehbehinderten Menschen auch Menschen mit Legasthenie Medienangebote des dzb lesen ausleihen und kaufen. Etwa zwischen fünf und zehn Prozent aller Menschen haben eine Lese- und Rechtschreibstörung (LRS): auch Legasthenie genannt. Diese Menschen nehmen Bilder, aber auch Laute anders wahr und können deshalb die Sprache nicht gut in Schrift umsetzen – oder umgekehrt: die Schrift in Sprache.
Dr. Maria Rauschenberger (33 Jahre) forscht seit ihrer Promotion an der spielerischen Früherkennung der Lese- und Rechtschreibstörung. Für ihre Promotionsarbeit, die sie mit höchster Auszeichnung erfolgreich abgeschlossen hat, wurde sie zudem mit dem Deutschen Lesepreis 2017 ausgezeichnet. Die 33-Jährige hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem eine Lese- und Rechtschreibstörung bei Kindern bereits frühzeitig erkannt werden soll. Im Interview mit Gabi Schulze erzählt sie von diesem Suchspiel für Kinder und von ihrer eigenen Lese- und Rechtschreibstörung. Weiterlesen …

Zum Glück kann man noch joggen

göffneter Laptop mit Blumenvase und Tasse

Homeoffice in Zeiten von Corona

Wenn ich aus den großen Fenstern unseres Esszimmers schaue, sehe ich das Einfamilienhaus und den Garten unserer Familie von gegenüber. Überall blüht Forsythia und morgens holt Herr D. die Zeitung aus dem Briefkasten. Ich sitze an unserem großen Esstisch am Laptop, checke meine E-Mails und höre in den Nachrichten die neuesten Fallzahlen der Corona-Infizierten. Seit zwei Wochen arbeite ich, wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen), im Homeoffice. Ein kleiner Teil der Belegschaft hält die Produktion aufrecht. Bücher kann man schlecht im Homeoffice drucken oder im Studio auflesen. Auch können unsere Nutzerinnen und Nutzer per Telefon und E-Mail immer noch Bücher ausleihen und kaufen. Diesen Service garantieren wir.

Alles erscheint mir so unwirklich: die Kontaktverbote, die Menschen im Supermarkt mit Mundschutz und Einweghandschuhen, die Abstandsmarkierungen an den Kassen des Supermarktes, die geschlossenen Geschäfte, Museen, Theater, Restaurants und Kinos. Ich sitze am Laptop und schreibe einen Artikel für „in puncto dzb lesen“. Ich bin Redakteurin des Kundenmagazins, das online, aber auch in Brailleschrift und als Hörzeitschrift erscheint. Ich schaue auf den Bildschirm meines Laptops und überlege, wie ich in der nächsten Ausgabe über unsere Arbeit in diesen außerordentlichen Zeiten schreiben kann. Doch immer wieder kreisen meine Gedanken um meine betagte Schwiegermutter, die zur Risikoperson gehört und die jetzt sehr einsam ist, weil wir sie nicht besuchen können. Ich sorge mich um meine Töchter: Die eine ist Ärztin und kann täglich mit dem Virus infiziert werden. Die andere ist Musikerin und auch jetzt sehr kreativ, wenn es darum geht, Musik zu produzieren.

Bücher sind wichtig – gerade jetzt

Ich stelle mir vor, wie es meinen jungen Kolleginnen und Kollegen geht, die zu Hause arbeiten und außerdem noch ihre Kinder zu betreuen haben. Eine oder zwei Wochen mag das vielleicht gut gehen, aber dann? Wir sind nur zu zweit. Mein Mann hat sich am Schreibtisch im ehemaligen Kinderzimmer eingerichtet. Zu den Mahlzeiten treffen wir uns dann.

Meine Freundin hat angerufen. Sie hätte endlich mal alle Gardinen waschen können und  viel zu viel Kuchen gebacken. Und ob ich noch ein paar Bücher hätte. Sie wollte sich eigentlich welche ausleihen, aber die Bibliotheken sind ja geschlossen. Bücher sind wichtig, denke ich, gerade wenn soziale Kontakte fehlen. Ich schreibe Rezensionen zu neuen Braille- und Hörbüchern aus dem dzb lesen und stelle sie auf unsere Internetseite. Eine Buchempfehlung schicke ich an die Redaktion der „Sichtweisen“.

Auch auf den Social Media-Kanälen, wo ich für dzb lesen unterwegs bin, dreht sich alles um die Corona-Krise. Nein, ich lese auf Facebook nicht die eingegangenen Posts von Verschwörungstheorien und anderen Horrormeldungen. Vielmehr ärgere ich mich über den Begriff social distancing, den man jetzt so oft gebraucht. Er suggeriert sozialen Abstand und meint aber körperlichen. Dabei ist gerade jetzt soziale Nähe zu Personen, die wir nicht treffen können, ganz wichtig. Und dann stelle fest, wie schnell sich Organisationen vernetzen, um beispielsweise blinden und sehbehinderten Menschen in Zeiten des körperlichen Kontaktverbotes zu helfen. Ich frage mich: Wie schaffen es jetzt blinde Menschen, einkaufen zu gehen ohne sich einer Virus-Gefahr auszusetzen?

Wenn zu viele Fragen in meinem Kopf schwirren, laufe ich mir den Kopf frei: Zum Glück kann man ja noch joggen.

Auf der Suche nach der Seele Georgiens

Im November lud die DZB zu einer Lesung im Rahmen des Literaturforums Bibliotheken ein. Die Autorin Constanze John stellte ihr aktuelles Buch „40 Tage Georgien“ vor. Über die Autorin, ihre Reisen und ihr Buch.

stehende Frau (Mitte 50) liest aus einem Buch vor
Constanze John bei der Lesung

Tragisch, herzlich, lebendig und wach – so beschreibt Constanze John Georgien. Insgesamt 11 Wochen reiste sie 2017 durch das kleine Land im Kaukasus. Mehr Zeit hatte sie nicht, denn ihr Buch sollte pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2018 erscheinen. Der Wunsch Georgien zu besuchen, wuchs der Autorin vor allem nach ihrer Reisereportage „40 Tage Armenien“. Viele Touristen reisen meist nicht nur nach Armenien, sondern auch gleich noch nach Georgien und Aserbaidschan. Ihr Vorhaben passte zeitlich perfekt  zum Ehrengastauftritt Georgiens während der Frankfurter Buchmesse.

„Ich reise langsam und interessiere mich in der Fremde neben Kultur und Geschichte vor allem dafür, wie hier Alltag funktioniert; was denselben bereichert oder eben erschwert, nicht zuletzt auch durch politische Spannungen“, sagt Constanze John. Sie war schon in ganz Europa, Brasilien und Armenien unterwegs und schreibt für Rundfunksender, wie beispielsweise Deutschlandfunk und MDR Reportagen und Feature. Die Reise nach Georgien kam, wie so viele andere auch, über persönliche Kontakte zustande, die sie sich im Vorfeld verschaffte. So lernte sie die Übersetzerin Maja Badridse und den Schriftsteller Dato Barbakadse kennen. Im Land selbst erhielt sie weitere Empfehlungen: „Ich musste auf den Zufall vertrauen, dass er mich an Orte führt, in sprechende Situationen oder zu Menschen, die Spezifisches, zum Beispiel über den Weinanbau oder über den Jazz in Georgien, zu erzählen haben.“

Ein gastfreundliches Land

Von der Hauptstadt Tbilissi aus entdeckt sie die Kaukasusrepublik in alle Himmelsrichtungen. Sie beschreibt jedoch weniger Sehenswürdigkeiten und Landschaften. Vielmehr interessiert sie sich für die „Seele des Landes“. Die Autorin fängt Musik und Klänge des Landes ein, gibt Sagen und Legenden wieder und schildert die georgische Kultur und Kunstszene. Vor allem aber trifft sie Menschen im Alltag und erlebt deren Gastfreundschaft. Diese helfen ihr beim „Über-setzen“ in die so geheimnisvolle Kultur zwischen Orient und Okzident. Den Gästen der Lesung liest sie kleine Episoden vor, die viel über die Lebensweise und Mentalität der Georgier erzählen. Sie vermittelt ihnen deren Lebensgefühl, hier und heute zu leben. Mit ihrer Lesung eröffnet die Autorin den Zuhörerinnen und Zuhörern ein Land mit einer wechselvollen, sehr alten Geschichte, aber auch ein Land, wo Gastfreundschaft und friedvolles Miteinander an erster Stelle stehen. Für die Gäste eine Einladung, Georgien selbst einmal zu besuchen!

Buchtipp: „40 Tage in Georgien“ wird als Hörbuch in der DZB produziert.
„40 Tage Armenien“ von Constanze John, 1 DAISY-CD (11:38 h), Ausleihe 35855

Bevor wir eine Geschichte verschenken …

Vier Kinder mit ihren Skateboards, einer springt
Titelblatt des Buch im MAXI-Druck

Jedes Jahr am 23. April, zum Welttag des Buches, begeistert die Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ in ganz Deutschland viele Kinder. In Buchhandlungen, Schulen und Bibliotheken erhalten die Steppkes zum Lesefest ein Buch mit einer spannenden Geschichte, die sie gemeinsam lesen.

Die DZB produziert das Buch mit Unterstützung des Fördervereins „Freunde der DZB e. V.“ in Brailleschrift, E-Braille sowie in MAXI-Druck und verschenkt es an alle interessierten Blindenschulen, Bibliotheken und Vereine. Dadurch ist es auch blinden und seheingeschränkten Kindern möglich, an diesem Lesefest teilzunehmen. Doch bevor die Kinder das Buch in den Händen halten können, steht eine Menge Arbeit an.

Januar

Der Titel des aktuellen Kinderbuches zur Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ steht fest. Unklar ist noch, ob die DZB die Nachdruckgenehmigung des Verlages erhält. Als erstes fragt sie also beim Verlag Random House an, ob sie das Buch in Brailleschrift und MAXI-Druck produzieren kann. Das klappte bisher prima: Der Verlag erteilt uns die Druckgenehmigung und schickt uns die erforderlichen Daten.

Februar

Nun kann’s losgehen! Zunächst wird das Buch mithilfe moderner Software in Kurz- und Vollschrift übertragen und danach Korrektur gelesen. Währenddessen schreiben wir alle Schulen an. Sie sollen uns mitteilen, wie viele Exemplare in welchen Editionsformen sie brauchen. Inzwischen haben wir auch die Nachdruckgenehmigung für das Cover des Buches im MAXI-Druck erhalten.

März

Wir beginnen mit der Produktion des Buches im MAXI-Druck. Als erstes wird das Layout nach verschiedenen Standards festgelegt. Bis Anfang März liegen uns die Bedarfsmeldungen der Schulen vor. Jetzt wird die Auflagenhöhe je Editionsform festgelegt und der Braille-Druck kann erfolgen. Danach haben die Mitarbeiter der Buchbinderei alle Hände voll zu tun. Parallel dazu werden im Studio CDs mit den Daten für die E-Braille-Ausgabe gebrannt und das Cover für die CD-Hüllen gedruckt.

April

Die Druckmaschine für die Bücher im MAXI-Druck läuft auf Hochtouren. In knapp drei Wochen müssen die Bücher fertig sein. Den letzten Schliff erhalten sie durch eine Spiralbindung. Nun sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Versands dran. Bei ihnen türmen sich sowohl die Bücher in Kurz- und Vollschrift als auch die Bücher im Maxi-Druck. Jedes Buchpaket erhält eine Adresse und wird einige Tage vor dem 23. April an die Empfänger verschickt.

Es ist soweit! Das Kinderbuch erreicht die Schulen, Bibliotheken und Vereine. Blinde und seheingeschränkte Schülerinnen und Schüler können es gemeinsam mit sehenden am Welttag des Buches oder auch später lesen.

 

Aufbruch in neue Kinderbuchwelten

Ringbuch mit Anhänger, geometrischen Figuren auf Titelblatt
Ein taktiles Klappbilderbuch

„Klapperlapapp“ ─ so heißt ein neues taktiles Kinderbuch, das in der DZB erschienen ist. So fluffig wie der Titel ist, so viel Spaß macht das Hin-und-Her-Klappbuch, wenn passende Formen und Oberflächen gefunden werden sollen.

Wer mit den Fingern über die Seiten des taktilen Kinderbuches wandert, fühlt auf der linken Seite eine weiche runde Form, auf der rechten Seite etwas raues Eckiges. Klappt man den rechten Teil der stabilen Pappseite nach oben, dann tasten die Finger rechts etwas Gepunktetes. Auf der anderen Hälfte ist immer noch die weiche runde Form. Aber wo ist deren andere Hälfte?

Das Buch, dessen Seiten hier so begeistert hin und her geklappt werden, lässt immer wieder neue Formen und Oberflächen entstehen, deren Ertasten Kindern großen Spaß machen soll. „Wir möchten unser Angebot an Büchern für blinde und sehbehinderte Kinder erweitern und gehen dabei neue Wege“, erzählt Manuela Pohle, Verlagsleiterin. „Unsere Bücher sollen barrierefrei und trotzdem attraktiv gestaltet sein, so dass sie sowohl sehende als auch blinde Kinder mit Freude entdecken können.“

Klipp und Klapp: Finde die passende Form

Schon die Tastbilderbücher der DZB aus unterschiedlichen Materialien, wie beispielsweise das bekannte Kinderbuch „Der Grüffelo“ und „Wo ist Mami“ von Axel Scheffler und Julia Donaldson wurden nach sonderpädagogischen Regeln der Frühförderung blinder und sehbehinderter Kinder gestaltet. Die neue Kinderbuchreihe baut jedoch nicht nur auf theoretischen Erkenntnissen und praktischen Beobachtungen integrativer Frühförderung auf, sie ist speziell für blinde und sehbehinderte Kinder im Frühförder- und Erstlesealter konzipiert.

Das taktile Kinderbuch „Klapperlapapp“ hat starke Pappseiten, die zweigeteilt und zum Ringbuch gebunden sind: zwei Teile, links und rechts zum Nach-Oben-Klappen. Verschiedene Formen sind zu entdecken: ein Kreis, ein Dreieck, Quadrat, ein Stern. Und ebenso viele unterschiedliche Oberflächen zu tasten: Der Kreis ist weich, der Stern rau, der Tropfen glatt, das Herz gepunktet. Durch Hin- und Herklappen der geteilten Pappseiten soll die jeweils passende andere Hälfte einer Form gefunden werden. Das Kombinieren von Formen und Oberflächen weckt bei Kindern Lust, die passenden Teile zu finden. Das Buch fördert durch seine taktile und visuelle Vielfalt die Wahrnehmung, Begriffsbildung und Sprache der Kinder im Vorschulalter und ist ein lehrreicher Spaß.

aufgeschlagenes Ringbuch mit mittig geteilten Seiten mit einer Hälfte vom Herz und einer vom Dreieck
Finde die passende Form und Oberfläche

Taktiles Bilderbuch mit farbigen Pappseiten

„Die Kinder müssen herausfinden, was zusammen gehört und was nicht. Wie fühlt sich was an? Sie lernen Formen und Oberflächen kennen“, erklärt Antje Mönnig, die das taktile Bilderbuch entworfen und gestaltet hat.
Die Formen wurden aus verschiedenen Materialien hergestellt und auf kontrastreiche farbige Pappseiten gebracht, auf denen auch Begriffe für die jeweiligen Oberflächen in gedruckter Lack-Brailleschrift erscheinen. So kommen die Kinder schon vor der Schule spielend mit der Brailleschrift in Kontakt.

„Füll Mich“-Buch: selbstständig gestalten Weiterlesen …

Kunstgenuss mit taktilem Orientierungsplan und Audioguide

Zwei Hände tasten Relief eines Orientierungsplanes
Taktiler Orientierungsplan durch das Residenzschloss

Die DZB hat für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) ein Begleitbuch für blinde und sehbehinderte Kunstfreunde hergestellt, das durch die Museen im Residenzschloss Dresden führt.

Wer eines der Museen des Residenzschlosses in Dresden besucht, gelangt über den kleinen Schlosshof des prächtigen Renaissance-Bauwerkes zu den Eingängen. Arkaden und Ziergiebel lenken den Blick des Besuchers auf sich. Ganz besonders aber staunt man über das scheinbar schwebende durchsichtige Membrandach, das die vielen Ziergiebel überwölbt und so repräsentativ Moderne und Tradition vereint. Das Residenzschloss liegt mitten in der Dresdner Altstadt am Theaterplatz. Es beherbergt Museen und Ausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD): das Historische und Neue Grüne Gewölbe, das Kupferstich-Kabinett, das Münzkabinett, die Rüstkammer im Riesensaal.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden barrierefrei

Die SKD zählen zu den drei großen Museumsinstitutionen Deutschlands. Ihre Traditionslinie reicht bis in das Jahr 1560 zurück, als Kurfürst August im Dresdner Residenzschloss die Kunstkammer gründete. In dem heutigen Verbund sind 14 international renommierte Museen vereinigt, wie beispielsweise die Gemäldegalerie Alte Meister, das Grüne Gewölbe, die Skulpturensammlung und der Mathematisch-Physikalische Salon.
Seit 2011 beschäftigen sich die SKD immer mehr mit dem Thema Inklusion. So spielt Barrierefreiheit in den Ausstellungskonzepten eine wichtige Rolle. Alle Besucher sollen Zugang zu den Museen haben und die Kunst problemlos genießen können. „Bis auf das Museum für Völkerkunde sind alle Museen der SKD stufenfrei zugänglich. Leitsysteme beispielsweise im Residenzschloss, dem Zwinger oder Albertinum unterstützen die Besucher bei der Orientierung“, erklärt Ramona Nietzold. Sie ist Museumspädagogin und arbeitet in der Abteilung Bildung und Vermittlung der SKD. Zu ihren Aufgaben gehört die Koordination und Umsetzung der Barrierefreiheit und Inklusion im Bereich der Vermittlung. „In den verschiedenen Dauer- und Sonderausstellungen bieten wir regelmäßig für Menschen mit Behinderung Veranstaltungen an. Wir konzipieren gemeinsam mit Betroffenen integrative, aber auch inklusive Workshops, Führungen oder kreative Werkstattkurse für Blinde und Sehbehinderte, für Gehörlose und Menschen mit Lernschwierigkeiten in Leichter Sprache.“

Taktile Grundrisse, Schwellkopien und Druckgrafiken als Duplikate Weiterlesen …

Fortsetzung folgt! – Zum 30. Jahrgang des „Literaturtreffs“

Für alle Bücherfreunde, die viel lesen und gern ein gutes Buch zur Hand nehmen möchten, ist der „Literaturtreff“ genau das Richtige. Woche für Woche werden ausgewählte Romane und Erzählungen namhafter in- und ausländischer Autoren in Fortsetzungen veröffentlicht. 2017 geht die Zeitschrift in ihr 30. Jahr. Zum Jubiläum wagen wir einen kleinen Rückblick und informieren Sie über interessante Fakten und Zahlen zum Literaturblatt.

Der Anfang

In den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts werden in der DZB aus Kapazitätsgründen kaum noch belletristische Titel in Brailleschrift gedruckt. Die pro Jahr für Druck in Braille vorgesehenen 4000 Schwarzdruckseiten müssen vorrangig für Schul- und Sachliteratur umgesetzt werden. Um den Menschen mehr belletristische Werke anbieten zu können, wird die Idee des Fortsetzungsromans adaptiert. So erscheint 1968, also vor 50 Jahren, der eigentliche Vorläufer des Literaturtreffs – Romane in Fortsetzungen. Das Zeitschriftenformat ermöglichte nun – im Gegensatz zu handschriftlich übertragenen belletristischen Werken – den Druck einer hohen Stückzahl der Romane in Fortsetzungen, so dass diese viele Bücherfreunde im Abonnement lesen konnten.

Es werden vorrangig Werke der Gegenwartsliteratur gedruckt, die man in der Öffentlichkeit diskutiert, aber auch internationale Romane und Erzählungen und Klassiker der Weltliteratur. So erscheinen beispielsweise „Der Fall Deruga“ von Ricarda Huch, „Der gelbe Hai“ von Wolfgang Schreyer, „Der weiße Dampfer“ von Tschingis Aitmatow, „Jenseits“ von John Galsworthy und „Mord braucht Reklame“ von Dorothy Sayers.

Ein neuer Name

1988 wird die Zeitschrift in „Literaturtreff“ umbenannt. Auch inhaltlich erweitert sich ihr Spektrum. Ins Programm aufgenommen werden Reiseberichte, Essays, Tagebücher und Lyrik. Die Titelliste 1988 enthält u.a. Humor von Ephraim Kishon, Erzählungen von Friedrich Dürrenmatt, eine Würdigung von Erwin Strittmatters 75. Geburtstag, ein derb-dreistes Eroticon aus dem 18. Jahrhundert und Anmerkungen Umberto Ecos zu seinem Roman „Der Name der Rose“. Seit 1991 wird die Zeitschrift wöchentlich ausgeliefert.

Wichtiges Kriterium

Jeder Roman bzw. jede Erzählung, die im „Literaturtreff“ in Fortsetzungen gelesen werden kann, soll weder in Braille noch als Hörbuch zugänglich sein. Dieses Kriterium der Zeitschrift ist in der gegenwärtigen modernen Medienlandschaft immer schwieriger zu erfüllen. Bekannte Bücher namhafter Autoren kommen heute viel schneller als früher in den Bestand der Bibliotheken, vor allem im Hörbuchbereich.

Vom Krimi bis zur Satire

In 30 Jahren „Literaturtreff“ werden die Bücher solcher renommierter internationaler Autoren wie Sandor Máraí, John Grisham, Isabel Allende, Andrea Camilleri und John Updike in Fortsetzungen veröffentlicht. Die verschiedensten Genres von Krimis über historische Romane und Märchen bis hin zu Liebesromanen und Satire – immer mit hohem literarischen Anspruch – haben seitdem ihre Leser gefunden.

Im neuen Gewand

Im 25. Jahrgang, passend zum Jubiläum, erhält der „Literaturtreff“ ein neues Gewand: Ab 2012 erscheint die Zeitschrift im handlichen A4-Format. Beibehalten wird der Plattendruck als Garant für das hohe Niveau des Brailledrucks. Das Jahresabonnement für 52 Hefte in Blindenkurzschrift kostet 62,40 EUR (1,20 EUR pro Heft).

Wussten Sie schon, dass …

  • die Zeitschrift aktuell einen treuen Abonnentenstamm von 208 Bücherfreunden hat?
  • im Februar 1992 den „Literaturtreff“ 163 Abonnenten lasen?
  • sowohl Männer als auch Frauen zu fast gleichen Teilen die Zeitschrift beziehen, 114 Frauen und 94 Männer?
  • dass die DZB die Zeitschrift bis nach Zypern, Ungarn, Kanada und Luxemburg liefert?
  • der älteste Leser 90, die jüngste Leserin 22 Jahre alt ist?

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