Mit LEGO Steinen die Brailleschrift entdecken

LEGO Braillesteine (oben Brailleschrift als Noppen, unten Schwarzschrift) auf Grundplatte. Es sind die Wörter dzb lesen gelegt.
Bunte LEGO Braillesteine

Spielend die Brailleschrift lernen – das können blinde und sehbehinderte Kinder mit Hilfe der von der LEGO Stiftung entwickelten Braille-Steine. Das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen) ist Partner der LEGO Stiftung. Seit Sommer 2020 verteilt das dzb lesen die von der Stiftung bereitgestellten LEGO Braille-Sets kostenlos über ausgewählte Einrichtungen, Förderzentren, Blinden- und Sehbehinderten-Schulen an blinde und sehbehinderte Kinder. Zudem unterstützt es die LEGO Stiftung bei der Vermittlung des pädagogischen Konzepts. Weiterlesen …

„Moby Dick“ in einfacher Sprache

Das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen bietet Bücher in einfacher Sprache in den Formaten Braille-Vollschrift, Großdruck und Hörbuch zum Verkauf oder zur Ausleihe an: Bücher mit einfachen Sätzen, übersichtlichem Layout und geringer Seitenanzahl, aber nicht weniger spannend! Weiterlesen …

Die Hexer-Saga im Abonnement

Sie haben gespannt das Fantasy-Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin gelesen? Das dzb lesen überträgt zurzeit die Fantasy-Saga „Der Hexer“ von Andrzej Sapkowski in Braille-Kurzschrift. Alle Fans der Saga können die fünf Romane ab Juni 2021 im Abonnement lesen. Die Fortsetzungsreihe erscheint wöchentlich. Begonnen wird mit „Das Erbe der Elfen“, dem ersten Band der Pentalogie. Schon jetzt können Sie sich ein Jahresabonnement (68 Euro) sichern. Melden Sie sich einfach per Mail abo@dzblesen.de oder telefonisch unter 0341 7113 120 an. Weiterlesen …

Legasthenie: Wenn Buchstaben ähnlich aussehen und gleich klingen

GEsicht einer jungen Frau mit Brille und blonden, halblangen Haaren
Dr. Maria Rauschenberger

Seit Kurzem können neben blinden und sehbehinderten Menschen auch Menschen mit Legasthenie Medienangebote des dzb lesen ausleihen und kaufen. Etwa zwischen fünf und zehn Prozent aller Menschen haben eine Lese- und Rechtschreibstörung (LRS): auch Legasthenie genannt. Diese Menschen nehmen Bilder, aber auch Laute anders wahr und können deshalb die Sprache nicht gut in Schrift umsetzen – oder umgekehrt: die Schrift in Sprache.
Dr. Maria Rauschenberger (33 Jahre) forscht seit ihrer Promotion an der spielerischen Früherkennung der Lese- und Rechtschreibstörung. Für ihre Promotionsarbeit, die sie mit höchster Auszeichnung erfolgreich abgeschlossen hat, wurde sie zudem mit dem Deutschen Lesepreis 2017 ausgezeichnet. Die 33-Jährige hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem eine Lese- und Rechtschreibstörung bei Kindern bereits frühzeitig erkannt werden soll. Im Interview mit Gabi Schulze erzählt sie von diesem Suchspiel für Kinder und von ihrer eigenen Lese- und Rechtschreibstörung. Weiterlesen …

Zum Glück kann man noch joggen

göffneter Laptop mit Blumenvase und Tasse

Homeoffice in Zeiten von Corona

Wenn ich aus den großen Fenstern unseres Esszimmers schaue, sehe ich das Einfamilienhaus und den Garten unserer Familie von gegenüber. Überall blüht Forsythia und morgens holt Herr D. die Zeitung aus dem Briefkasten. Ich sitze an unserem großen Esstisch am Laptop, checke meine E-Mails und höre in den Nachrichten die neuesten Fallzahlen der Corona-Infizierten. Seit zwei Wochen arbeite ich, wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen), im Homeoffice. Ein kleiner Teil der Belegschaft hält die Produktion aufrecht. Bücher kann man schlecht im Homeoffice drucken oder im Studio auflesen. Auch können unsere Nutzerinnen und Nutzer per Telefon und E-Mail immer noch Bücher ausleihen und kaufen. Diesen Service garantieren wir.

Alles erscheint mir so unwirklich: die Kontaktverbote, die Menschen im Supermarkt mit Mundschutz und Einweghandschuhen, die Abstandsmarkierungen an den Kassen des Supermarktes, die geschlossenen Geschäfte, Museen, Theater, Restaurants und Kinos. Ich sitze am Laptop und schreibe einen Artikel für „in puncto dzb lesen“. Ich bin Redakteurin des Kundenmagazins, das online, aber auch in Brailleschrift und als Hörzeitschrift erscheint. Ich schaue auf den Bildschirm meines Laptops und überlege, wie ich in der nächsten Ausgabe über unsere Arbeit in diesen außerordentlichen Zeiten schreiben kann. Doch immer wieder kreisen meine Gedanken um meine betagte Schwiegermutter, die zur Risikoperson gehört und die jetzt sehr einsam ist, weil wir sie nicht besuchen können. Ich sorge mich um meine Töchter: Die eine ist Ärztin und kann täglich mit dem Virus infiziert werden. Die andere ist Musikerin und auch jetzt sehr kreativ, wenn es darum geht, Musik zu produzieren.

Bücher sind wichtig – gerade jetzt

Ich stelle mir vor, wie es meinen jungen Kolleginnen und Kollegen geht, die zu Hause arbeiten und außerdem noch ihre Kinder zu betreuen haben. Eine oder zwei Wochen mag das vielleicht gut gehen, aber dann? Wir sind nur zu zweit. Mein Mann hat sich am Schreibtisch im ehemaligen Kinderzimmer eingerichtet. Zu den Mahlzeiten treffen wir uns dann.

Meine Freundin hat angerufen. Sie hätte endlich mal alle Gardinen waschen können und  viel zu viel Kuchen gebacken. Und ob ich noch ein paar Bücher hätte. Sie wollte sich eigentlich welche ausleihen, aber die Bibliotheken sind ja geschlossen. Bücher sind wichtig, denke ich, gerade wenn soziale Kontakte fehlen. Ich schreibe Rezensionen zu neuen Braille- und Hörbüchern aus dem dzb lesen und stelle sie auf unsere Internetseite. Eine Buchempfehlung schicke ich an die Redaktion der „Sichtweisen“.

Auch auf den Social Media-Kanälen, wo ich für dzb lesen unterwegs bin, dreht sich alles um die Corona-Krise. Nein, ich lese auf Facebook nicht die eingegangenen Posts von Verschwörungstheorien und anderen Horrormeldungen. Vielmehr ärgere ich mich über den Begriff social distancing, den man jetzt so oft gebraucht. Er suggeriert sozialen Abstand und meint aber körperlichen. Dabei ist gerade jetzt soziale Nähe zu Personen, die wir nicht treffen können, ganz wichtig. Und dann stelle fest, wie schnell sich Organisationen vernetzen, um beispielsweise blinden und sehbehinderten Menschen in Zeiten des körperlichen Kontaktverbotes zu helfen. Ich frage mich: Wie schaffen es jetzt blinde Menschen, einkaufen zu gehen ohne sich einer Virus-Gefahr auszusetzen?

Wenn zu viele Fragen in meinem Kopf schwirren, laufe ich mir den Kopf frei: Zum Glück kann man ja noch joggen.

Auf der Suche nach der Seele Georgiens

Im November lud die DZB zu einer Lesung im Rahmen des Literaturforums Bibliotheken ein. Die Autorin Constanze John stellte ihr aktuelles Buch „40 Tage Georgien“ vor. Über die Autorin, ihre Reisen und ihr Buch.

stehende Frau (Mitte 50) liest aus einem Buch vor
Constanze John bei der Lesung

Tragisch, herzlich, lebendig und wach – so beschreibt Constanze John Georgien. Insgesamt 11 Wochen reiste sie 2017 durch das kleine Land im Kaukasus. Mehr Zeit hatte sie nicht, denn ihr Buch sollte pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2018 erscheinen. Der Wunsch Georgien zu besuchen, wuchs der Autorin vor allem nach ihrer Reisereportage „40 Tage Armenien“. Viele Touristen reisen meist nicht nur nach Armenien, sondern auch gleich noch nach Georgien und Aserbaidschan. Ihr Vorhaben passte zeitlich perfekt  zum Ehrengastauftritt Georgiens während der Frankfurter Buchmesse.

„Ich reise langsam und interessiere mich in der Fremde neben Kultur und Geschichte vor allem dafür, wie hier Alltag funktioniert; was denselben bereichert oder eben erschwert, nicht zuletzt auch durch politische Spannungen“, sagt Constanze John. Sie war schon in ganz Europa, Brasilien und Armenien unterwegs und schreibt für Rundfunksender, wie beispielsweise Deutschlandfunk und MDR Reportagen und Feature. Die Reise nach Georgien kam, wie so viele andere auch, über persönliche Kontakte zustande, die sie sich im Vorfeld verschaffte. So lernte sie die Übersetzerin Maja Badridse und den Schriftsteller Dato Barbakadse kennen. Im Land selbst erhielt sie weitere Empfehlungen: „Ich musste auf den Zufall vertrauen, dass er mich an Orte führt, in sprechende Situationen oder zu Menschen, die Spezifisches, zum Beispiel über den Weinanbau oder über den Jazz in Georgien, zu erzählen haben.“

Ein gastfreundliches Land

Von der Hauptstadt Tbilissi aus entdeckt sie die Kaukasusrepublik in alle Himmelsrichtungen. Sie beschreibt jedoch weniger Sehenswürdigkeiten und Landschaften. Vielmehr interessiert sie sich für die „Seele des Landes“. Die Autorin fängt Musik und Klänge des Landes ein, gibt Sagen und Legenden wieder und schildert die georgische Kultur und Kunstszene. Vor allem aber trifft sie Menschen im Alltag und erlebt deren Gastfreundschaft. Diese helfen ihr beim „Über-setzen“ in die so geheimnisvolle Kultur zwischen Orient und Okzident. Den Gästen der Lesung liest sie kleine Episoden vor, die viel über die Lebensweise und Mentalität der Georgier erzählen. Sie vermittelt ihnen deren Lebensgefühl, hier und heute zu leben. Mit ihrer Lesung eröffnet die Autorin den Zuhörerinnen und Zuhörern ein Land mit einer wechselvollen, sehr alten Geschichte, aber auch ein Land, wo Gastfreundschaft und friedvolles Miteinander an erster Stelle stehen. Für die Gäste eine Einladung, Georgien selbst einmal zu besuchen!

Buchtipp: „40 Tage in Georgien“ wird als Hörbuch in der DZB produziert.
„40 Tage Armenien“ von Constanze John, 1 DAISY-CD (11:38 h), Ausleihe 35855

Bevor wir eine Geschichte verschenken …

Vier Kinder mit ihren Skateboards, einer springt
Titelblatt des Buch im MAXI-Druck

Jedes Jahr am 23. April, zum Welttag des Buches, begeistert die Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ in ganz Deutschland viele Kinder. In Buchhandlungen, Schulen und Bibliotheken erhalten die Steppkes zum Lesefest ein Buch mit einer spannenden Geschichte, die sie gemeinsam lesen.

Die DZB produziert das Buch mit Unterstützung des Fördervereins „Freunde der DZB e. V.“ in Brailleschrift, E-Braille sowie in MAXI-Druck und verschenkt es an alle interessierten Blindenschulen, Bibliotheken und Vereine. Dadurch ist es auch blinden und seheingeschränkten Kindern möglich, an diesem Lesefest teilzunehmen. Doch bevor die Kinder das Buch in den Händen halten können, steht eine Menge Arbeit an.

Januar

Der Titel des aktuellen Kinderbuches zur Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ steht fest. Unklar ist noch, ob die DZB die Nachdruckgenehmigung des Verlages erhält. Als erstes fragt sie also beim Verlag Random House an, ob sie das Buch in Brailleschrift und MAXI-Druck produzieren kann. Das klappte bisher prima: Der Verlag erteilt uns die Druckgenehmigung und schickt uns die erforderlichen Daten.

Februar

Nun kann’s losgehen! Zunächst wird das Buch mithilfe moderner Software in Kurz- und Vollschrift übertragen und danach Korrektur gelesen. Währenddessen schreiben wir alle Schulen an. Sie sollen uns mitteilen, wie viele Exemplare in welchen Editionsformen sie brauchen. Inzwischen haben wir auch die Nachdruckgenehmigung für das Cover des Buches im MAXI-Druck erhalten.

März

Wir beginnen mit der Produktion des Buches im MAXI-Druck. Als erstes wird das Layout nach verschiedenen Standards festgelegt. Bis Anfang März liegen uns die Bedarfsmeldungen der Schulen vor. Jetzt wird die Auflagenhöhe je Editionsform festgelegt und der Braille-Druck kann erfolgen. Danach haben die Mitarbeiter der Buchbinderei alle Hände voll zu tun. Parallel dazu werden im Studio CDs mit den Daten für die E-Braille-Ausgabe gebrannt und das Cover für die CD-Hüllen gedruckt.

April

Die Druckmaschine für die Bücher im MAXI-Druck läuft auf Hochtouren. In knapp drei Wochen müssen die Bücher fertig sein. Den letzten Schliff erhalten sie durch eine Spiralbindung. Nun sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Versands dran. Bei ihnen türmen sich sowohl die Bücher in Kurz- und Vollschrift als auch die Bücher im Maxi-Druck. Jedes Buchpaket erhält eine Adresse und wird einige Tage vor dem 23. April an die Empfänger verschickt.

Es ist soweit! Das Kinderbuch erreicht die Schulen, Bibliotheken und Vereine. Blinde und seheingeschränkte Schülerinnen und Schüler können es gemeinsam mit sehenden am Welttag des Buches oder auch später lesen.