Die Musik ist sein Wegbegleiter: Alejandro León Pellegrin

Er spielt in verschiedenen Formationen und tritt auch als Solokünstler auf. Er initiiert eigene Musikprojekte und übernimmt Komposition und Arrangement. In Livekonzerten fühlt er sich am lebendigsten. Alejandro León Pellegrin ist ein virtuoser Gitarrist und leidenschaftlicher Musiker. Im November letzten Jahres war er zur Abschlussveranstaltung des Musikprojektes „Do it!“ zu Gast im dzb lesen und präsentierte einige Songs aus seinem aktuellen Repertoire. Derzeit erlernt er die Braillekurzschrift und leiht sich jede Menge Braillebücher aus. Ein Porträt von Gabi Schulze

Die Wende 1989/1990 war für Alejandro León Pellegrin die Chance seines Lebens. Mit 18 Jahren hatte er gerade eine Ausbildung zum Klavierstimmer abgeschlossen, als die DDR zusammenbrach. Hätte dieses politische Ereignis fünf Jahre später stattgefunden, wäre er wahrscheinlich selbstständiger Klavierstimmer geworden. Stattdessen eröffnete sich für ihn plötzlich die Möglichkeit, sein Hobby zum Beruf zu machen. Er setzte alles auf eine Karte, investierte sein erspartes Geld in Musikequipment, in Notenmaterial und Instrumentalunterricht. Der Anfang 20-Jährige übte fünf Stunden am Tag auf der Gitarre, schulte sein musikalisches Gehör und frischte seine Klavierkenntnisse auf. Sein Ziel war ein Gitarrenstudium an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden. „Eigentlich wollte ich schon immer Musiker werden. Seit meinem fünften Lebensjahr habe ich verschiedene Instrumente gespielt: Klavier, Flöte, Akkordeon, hauptsächlich aber Gitarre. Die Gitarre war immer da“, erzählt er. „Zur Gitarre bin ich gekommen, weil meine älteren Geschwister und deren Freunde hobbymäßig Singer-Songwriter-Sachen gespielt haben.“ Er begann mit Songs von Bob Dylan, zunächst in Liedbegleitung und Fingerstyle. Meist spielte er nach Gehör, da es in der DDR kaum Noten zu kaufen gab.

Wie alles begann

In Chile 1971 geboren, kam Alejandro León Pellegrin im Alter von nur zwei Jahren mit seiner Familie 1973 in die damalige DDR, nach Dresden. Dort verbrachte er seine Kindheit sowie Jugend. Seine Mutter, die selbst Klavier spielte und sehr musikinteressiert war, förderte das musikalische Talent ihres Sohnes nach besten Kräften. So organisierte sie ihm nicht nur Gitarrensaiten, die Mangelware waren, sondern auch hin und wieder Klavier- und Gitarrenunterricht. In der DDR war es schwierig, an Musikinstrumente und Unterricht zu gelangen. Auf seine erste Gitarre musste Alejandro León Pellegrin fünf Jahre warten.
Die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik in Dresden bestand der inzwischen 23-Jährige 1994 im ersten Versuch. Fünf Jahre lang studierte er Gitarre mit dem Schwerpunkt Jazz und Weltmusik. Während dieser Zeit erhielt er Unterricht in Konzert- und E-Gitarre und meisterte zahlreiche Vorspiele sowie Prüfungen. Parallel zu seinem Studium sammelte er umfangreiche praktische Bühnen- und Konzerterfahrungen. Dabei intensivierte er seine Kontakte zu anderen Musikstudenten, mit denen er bereits vor Studienbeginn gespielt und erste kleine Projekte realisiert hatte. Diese Erfahrungen stärkten sein Selbstvertrauen auf der Bühne und ermöglichten ihm eine offene und natürliche Kommunikation mit dem Publikum.

Bühnen- und Konzerterfahrungen mit CAMiNHO

„Ich bin gern Musiker. Meine Musikprojekte und Konzerte machen mir auch nach 30 Jahren Berufserfahrung noch immer sehr viel Freude. Auf der Bühne spiele ich nicht nur einen Song nach dem anderen, sondern unterhalte mein Publikum. Zwischen den Songs erzähle ich mehr über mich, die Entstehung der Songs, über Komponisten, Stile und Epochen“, sagt der ambitionierte Gitarrist. „Mein Programm muss abwechslungsreich und die Moderation zwischen den Songs so interessant und witzig sein, dass die Menschen aufmerksam zuhören und einen Bezug zu meiner Musik haben.“
Noch während des Studiums gründete Alejandro León Pellegrin die Band CAMiNHO, mit der er vier Alben produziert hat und auch heute in wechselnder Besetzung unterwegs ist. CAMiNHO – das sind Bertram Quosdorf (Saxophon, Klarinette, Gesang), Michael Burkhardt (Bass, E-Bass), Eduardo Mota (Drums, Percussion) und Alejandro León Pellegrin (Gitarre und Gesang). Gemeinsam spielen die vier Berufsmusiker handgemachten modernen Latin-Sound, den der Bandleader und Gitarrist komponiert und arrangiert. „Ich habe die Band mit zwei Studenten gegründet, weil ich Lust hatte, südamerikanische Musik zu machen. Die Rhythmen haben mich schon immer begeistert. Lateinamerikanische Musik ist extrem vielseitig: Brasilianische Klänge wie der Bossa Nova oder Samba klingen völlig anders als traditionelle Musik aus Chile“, erklärt der Gitarrist.

Zwischen Latin-Sound, Klassik, Pop und Jazz

In seinen Kompositionen sind die lateinamerikanischen Wurzeln des Musikers deutlich spürbar. Doch auch andere Musikstile wie z. B. Pop, Klassik und Jazz haben ihn geprägt. „Ich konfiszierte früher sehr gern die Klassikplatten meiner Mutter und transportierte den Plattenspieler aus dem Wohnzimmer in mein Zimmer. Dort lauschte ich den Werken von Tschaikowski, Bach und Mozart“, schwärmt er nostalgisch. „Zudem hatte auch die Ostrockmusik einen großen Einfluss auf mich. Zum Jazz bin ich erst während meines Studiums gekommen.“ Seine ganz eigene Klangsprache entwickelte der Musiker durch das Experimentieren mit diesen Musikstilen.

Maßgeschneiderte Arrangements und virtuose Gitarrenklänge

Seit 1998 arbeitet Alejandro León Pellegrin als freiberuflicher Musiker in verschiedenen Formationen, für die er maßgeschneiderte Arrangements und Kompositionen erstellt sowie musikalische Projekte initiiert. Er ist mit dem Gitarrenduo León & Wirtz unterwegs und präsentiert virtuos mit seinem Partner Daniel Nikolas Wirtz eigene Gitarrenkompositionen, daneben aber auch Klassiker von Künstlern wie Chick Corea, Al di Meola oder Sting. Einen musikalischen Streifzug durch Worldmusic, Latin, Tango und Pop unternimmt er auch mit dem Gitarristen Frank D. Riedig, der neben der Gitarre auf der Querflöte musiziert. Aktuell arbeiten sie an einem Programm zur Ostrockmusik, das sie im Herbst 2026 an verschiedenen Veranstaltungsorten aufführen werden. Aber auch solo ist der Gitarrist mit einem vielseitigen Repertoire an lateinamerikanischen Songs unterwegs.

Musik ohne Grenzen mit Leidenschaft und Visionen

Noten hat Alejandro León Pellegrin schon immer eher auswendig gelernt, als dass er sie vom Blatt gespielt hätte, da er aufgrund einer Retinitis Pigmentosa von Geburt an nur eingeschränkt sehen kann. „Ich habe schon immer mit den Schwarzschriftnoten so ähnlich gearbeitet wie blinde Musiker mit den Braillenoten. Das heißt: vorher lernen und dann spielen.“
Um weiterhin Noten für seine Musikerkollegen schreiben zu können, widmet sich der Musiker derzeit intensiv dem barrierefreien Notensatzprogramm Musescore. Dieses Programm ermöglicht es, Noten über Gehör und Ansagen zu erstellen, zu bearbeiten und abzuspielen. Je nach Bedarf können Schwarzdruck- oder Braillenoten generiert werden. Zudem sucht der technikaffine Musiker auch für die Produktion seiner Songs nach barrierefreier Software, die seine Studio- und Aufnahmetechnik unterstützt, damit er seine Musik auch in Zukunft selbst aufnehmen kann.

„Die Entscheidung Musiker zu werden, war die beste in meinem Leben“, reflektiert der heute 54-Jährige. Neben seiner Leidenschaft für die Musik interessiert er sich auch für eine Vielzahl anderer Themen, darunter Geschichte, Psychologie und Literatur. Daher hat er noch viele Ideen, die er realisieren möchte. Vielleicht wird man ihn bald schon in einem Podcast hören. Wir sind gespannt!

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