Legasthenie: Wenn Buchstaben ähnlich aussehen und gleich klingen

GEsicht einer jungen Frau mit Brille und blonden, halblangen Haaren
Dr. Maria Rauschenberger

Seit Kurzem können neben blinden und sehbehinderten Menschen auch Menschen mit Legasthenie Medienangebote des dzb lesen ausleihen und kaufen. Etwa zwischen fünf und zehn Prozent aller Menschen haben eine Lese- und Rechtschreibstörung (LRS): auch Legasthenie genannt. Diese Menschen nehmen Bilder, aber auch Laute anders wahr und können deshalb die Sprache nicht gut in Schrift umsetzen – oder umgekehrt: die Schrift in Sprache.
Dr. Maria Rauschenberger (33 Jahre) forscht seit ihrer Promotion an der spielerischen Früherkennung der Lese- und Rechtschreibstörung. Für ihre Promotionsarbeit, die sie mit höchster Auszeichnung erfolgreich abgeschlossen hat, wurde sie zudem mit dem Deutschen Lesepreis 2017 ausgezeichnet. Die 33-Jährige hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem eine Lese- und Rechtschreibstörung bei Kindern bereits frühzeitig erkannt werden soll. Im Interview mit Gabi Schulze erzählt sie von diesem Suchspiel für Kinder und von ihrer eigenen Lese- und Rechtschreibstörung. Weiterlesen …

Unterwegs nach Deutschland

Péter Iván ist Nutzer des dzb lesen. Das Besondere: Er ist Ungar und liest bzw. hört die Bücher auf Deutsch. Im Interview erzählt der Budapester, der italienische Sprache und Kultur studierte und seit 2005 als medizinischer Masseur in dem berühmten Széchenyi-Bad tätig ist, über seine Arbeit, seine Heimatstadt Budapest, seinen Alltag als Vater einer sechsjährigen Tochter und seinen größten Wunsch, in Deutschland zu leben.

Sind Sie geburtsblind oder späterblindet? Weiterlesen …

Auf der Insel der Pinguine

Er hat ein ganz außergewöhnliches Hobby. Marc Fälkers große Liebe gilt den Pinguinen. Der 40-Jährige aus Nordrhein-Westfalen, der sich übrigens auch Bücher aus der DZB ausleiht, weiß viel über die putzigen Frackträger und arbeitet als Mitglied aktiv im Artenschutzverein Sphenisco mit. Vor Kurzem erfüllte er sich einen Traum. Er war auf einer Expeditionsreise zu den Falklandinseln unterwegs. Davon und wie es zu dieser Reise kam, erzählt er in einem Interview. Weiterlesen …

Ein Beutel Kirschen als Dankeschön

Zwei Frauen, eine sitzend und eine stehend vor einem Tisch, im Hintergurnd das Beratungsmobil
Das „Blickpunkt-Auge“-Team Liane Völlger und Ulrike Meinhold

Der Terminkalender von Liane Völlger und Ulrike Meinhold ist reichlich gefüllt. Die eine arbeitet als Bibliothekarin in der DZB, die andere beim BSV Sachsen „Blickpunkt Auge“. Beide treffen sich an zwei bis drei Tagen in der Woche und sind dann mit dem Beratungs- und Bibliotheksmobil „Blickpunkt Auge“ in Sachsen unterwegs. Im Juni stand der weiße Mercedes-Sprinter mit dem blauen Auge beispielsweise in Hoyerswerda, Kamenz, Meißen, Löbau, Zittau und Bautzen auf Marktplätzen oder vor Bibliotheken. Die beiden „Blickpunkt-Auge“-Beraterinnen informieren über Zuständigkeiten und staatliche Leistungen, aber auch über rechtliche und finanzielle Ansprüche seheingeschränkter Menschen. Sie geben einen Überblick über Sehhilfen und andere Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern können.
Wir haben nachgefragt und wollten mehr wissen über die Menschen, die zu ihnen kommen und Rat suchen, über die Resonanz vor Ort auch in ländlichen Regionen und darüber, was noch besser gehen könnte.

Worin sehen Sie ihre Hauptaufgabe? Was soll die individuelle Beratung bringen?

Meinhold: Ich möchte Ratsuchenden Perspektiven aufzeigen, wie sie mit ihrer Seheinschränkung ihren Alltag selbstständig und mit mehr Lebensqualität meistern können. Nur in der individuellen Beratung ist es möglich, die Bedürfnisse jedes Einzelnen herauszufinden und individuelle Lösungswege zu erarbeiten. Denn die Anliegen und Lebenssituationen der Menschen, die zu uns kommen, sind doch recht unterschiedlich.

Völlger: Weiterlesen …

Louis-Braille-Festival 2019: Was ist los in Leipzig?

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Aber nicht nur das: Sie müssen auch inhaltlich geplant und gestaltet werden. Keine leichte Aufgabe! Schließlich sind viele Menschen mit den unterschiedlichsten Aufgaben an den Vorbereitungen beteiligt. Deren Arbeit muss koordiniert, Räume und Equipment organisiert, Fördermittel akquiriert und das Budget geplant werden.
Sandra Plessing arbeitet als Veranstaltungsmanagerin in der DZB und organisiert gemeinsam mit dem DBSV das Louis-Braille-Festival 2019, das vom 5. bis 7. Juli in Leipzig stattfindet. Wir sprachen mit ihr über die Herausforderungen bei der Festivalorganisation. Weiterlesen …

DZB-Hörbücher in Öffentlichen Bibliotheken

Seit Mai 2016 können Menschen mit Seheinschränkungen direkt vor Ort in ihrer Stadtbibliothek – beispielsweise in Bautzen, Chemnitz oder Riesa – ein zusätzliches Angebot an Hörbüchern aus der DZB nutzen. Ermöglicht wird dies durch eine Initiative der DZB mit den öffentlichen Bibliotheken. Diese Partnerbibliotheken haben direkten Zugriff auf die rund 40.000 Hörbücher der DZB im speziellen DAISY-Format.

Nach einer eintägigen Schulung sind die Bibliothekarinnen und Bibliothekare der Stadt- und Gemeindebibliotheken in der Lage, ihre sehbehinderten Nutzer unkompliziert anzumelden, die Kataloge der DZB zu nutzen, Hörbücher zu bestellen und diese dann kostenlos entweder in die Stadtbibliothek oder direkt zum Nutzer nach Hause schicken zu lassen. Sehbehinderte Bibliotheksnutzer halten so weiterhin den Kontakt zu ihrer Stadt- bzw. Gemeindebibliothek, deren Mitarbeiter ihnen jederzeit helfend zur Seite stehen. Die Initiative der DZB erweckt großes Interesse. Bisher bieten ca. 50 öffentliche Bibliotheken in Sachsen und Sachsen-Anhalt diesen neuen Service an. Besonders in ländlichen Gebieten erweitert das spezielle Hörbuchangebot der DZB die Medienauswahl der Bibliotheken enorm. Wir sprachen mit Caroline Schürer, Bibliothekarin in der DZB und Initiatorin des Projektes.

Wie ist die Idee zur Initiative entstanden?

Wir stellen immer wieder fest, dass wir viele Betroffene nicht mit unserem Angebot erreichen können oder andersherum: Diese Menschen haben bisher ebenso wenig den Weg in die DZB gefunden. Das sind meist ältere, spät Erblindete oder von einer Augenerkrankung betroffene Menschen. Die Gründe sind unterschiedlich: Zum Beispiel gibt es bei Sehverlust bislang in Deutschland keine medizinische Rehabilitation als Regelleistung. Auch haben ältere Menschen häufig keine Ansprechpartner und sind insbesondere in ländlichen Regionen nicht mehr mobil genug. Dadurch fehlen ihnen das Wissen und der Zugang zu passenden Angeboten. Außerdem ist die Hürde, sich bei einer Blindenbücherei anzumelden, sehr hoch. Das wollten wir ändern und so kommt die DZB mit ihrem Angebot zu den Menschen, um sie an deren „alltäglichen Orten“ zu erreichen. Dabei suchen wir die Zusammenarbeit mit entsprechenden Institutionen, wie beispielsweise Augenärzten und Optikern, aber auch mit kulturellen Einrichtungen wie Stadt- und Gemeindebibliotheken.

Wie überzeugen Sie die Bibliothekare von Ihrer Initiative?

Die Zusammenarbeit mit den Landesfachstellen der entsprechenden Bundesländer erwies sich dabei als unerlässlich. Die Landesfachstellen vermittelten uns viele Kontakte zu öffentlichen Bibliotheken. Wir bekamen mehrmals die Möglichkeit, bei Bibliotheksveranstaltungen, wie Fachleitertagungen und Treffen der öffentlichen Bibliotheken, die Initiative vorzustellen. Unser Vortrag beim Bibliothekskongress 2016 zur Leipziger Buchmesse stieß auf großes Interesse, so dass viele Bibliotheken zu unseren Schulungen kamen und noch kommen. Viele Bibliothekare und Bibliothekarinnen schätzen an der Initiative besonders, dass diese unkompliziert ist, und sie kostenfrei einen Beitrag zu gleichberechtigter Teilhabe leisten können.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft? Wie geht es weiter? Weiterlesen …

Wie barrierefreie Comics entstehen

Ob Mangas, Micky Maus oder Lucky Luke – mit ihren fantasievollen Illustrationen sind Comics seit Generationen der Renner bei Kindern und Erwachsenen. Sie sind an kein Genre gebunden, können witzig, spannend und informativ sein. Aber wie stellt man einen barrierefreien Comic für blinde und seheingeschränkte Menschen dar? Darüber machen sich Studentinnen und Studenten der Kommunikations- und Medienwissenschaft, Fachbereich Buchwissenschaft, an der Universität Leipzig und deren Dozent Prof. Dr. Thomas Kahlisch einen Kopf. Der Honorarprofessor und Direktor der DZB gibt den Studierenden in seinem Seminar „Das Buch als Medium ─ Die Zukunft barrierefrei“ Einblick, wie barrierefreie Bücher produziert werden. Dabei spielt die Audiodeskription (Bildbeschreibung) eine wichtige Rolle. Lisanne Suborg (3. Mastersemester Kommunikations- und Medienwissenschaften) erzählt, was für eine gelungene Bildbeschreibung wichtig ist.

Welchen Comic haben Sie sich ausgewählt und warum gerade diesen?

Wir hatten einige Comics zur Auswahl. Mir hat „Hilda und der Troll“ von Luke Pearson sofort zugesagt. Es ist ein sehr liebevoll gestalteter Comic, an dem sich sowohl Kinder als auch Erwachsene erfreuen können. Für mich hatte der Comic etwas sehr Gemütliches und Behagliches, das ich gern auch Nichtsehenden vermitteln wollte. In dem Comic, dem zweiten Teil der Hilda-Reihe, geht es um das Mädchen Hilda, das mit seiner Mutter und ihrem Haustier, das wie ein weißblauer Fuchs oder ein Eichhörnchen aussieht, im Wald lebt. Bei einem Ausflug entdeckt sie einen Troll, der tagsüber als Fels getarnt ist.

Welche Strategie haben Sie für die Umsetzung der Bildbeschreibung entwickelt? Welches waren Ihre ersten Schritte? Weiterlesen …

Eine barrierefreie Fibel für den Inklusionsunterricht ─ unmöglich oder machbar?

Der achtjährigen Laura macht das Lesen großen Spaß. Sie ist blind und lernt gemeinsam mit sehenden Kindern in einer inklusiven Grundschule. Sie liest im selben Lesebuch wie ihre Mitschüler. Die farbigen Illustrationen mit Teddybär, Elefant und dem fleißigen Bienchen werden beschrieben, die kleine Raupe kann sie mit ihren Fingern tasten. Das finden auch alle sehenden Kinder ganz toll. Eine Situation, die leider noch keine Realität ist, denn solche Lesebücher für den Inklusionsunterricht gibt es nicht. Für Schulbuchverlage ist die Produktion viel zu teuer.

Hier muss sich etwas ändern, meinte Julia Dobroschke und untersuchte in ihrer Doktorarbeit die Produktionsprozesse in Schulbuchverlagen mit dem Ziel, herauszufinden, inwieweit Verlage in Zukunft auch Lehrbücher, insbesondere Fibeln, für den Inklusionsunterricht entwickeln und herstellen können. Wie müssen die Lehrbücher von Anfang an konzipiert werden, damit sie allen Kindern, auch blinden und sehbehinderten, im Inklusionsunterricht zugänglich sind? Die 34-Jährige ist seit 2009 in der DZB. Nach ihrem Studium (Verlagsherstellung an der HTWK Leipzig) leitete sie das Leibniz-Projekt, das die barrierefreie Sach- und Fachbuchaufbereitung für blinde und sehbehinderte Menschen zum Thema hatte. Sie arbeitete als Produktgestalterin und im Förderverein der DZB und promovierte im Winter 2015. Zurzeit kümmert sich Dr. Julia Dobroschke für die Abwicklung der Projekte bei BIKOSAX (Kompetenzzentrum für barrierefreie Informations- und Kommunikationsangebote). Ist die junge Frau nicht in der DZB zu finden, dann ganz sicher in ihrem Garten, in dem sie Vieles zum Blühen bringt, oder aber sie ist irgendwo in der Welt unterwegs. Wir sprachen mit Julia Dobroschke über ihre Doktorarbeit und wollten von ihr wissen, wie Lehrbücher für den Inklusionsunterricht hergestellt werden können.

Wie muss eine barrierefreie Fibel für den Inklusionsunterricht aussehen?

Möglichst viele Kinder werden angesprochen, wenn die Aufmachung der Lernmaterialien auch nach visuell-ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet wird und Kinder ohne Einschränkungen genauso anspricht und motiviert, wie Kinder z.B. mit einer Sehbehinderung. Das Alphabet mit Hilfe eines festgelegten Buchstabenlehrganges zu erlernen, ist in Inklusionsklassen nicht ohne weiteres möglich, da die Einführung der Buchstaben bei blinden Kindern eine andere ist als bei sehenden: Deshalb müsste das Lehrwerk für den Schriftspracherwerb sehr flexibel in der Handhabung sein. Ein gebundenes Buch ist dafür wahrscheinlich ein zu starres Format. Denkbar wäre da z. B. ein Lernmaterial, was frei bearbeitbar ist und bequem in einer Sammelordnerlösung aufbewahrt werden kann. Einzelne Teile sind vielleicht sogar selbst gestaltbar oder veränderbar (z.B. Buchstaben am richtigen Platz ankletten oder aufkleben), sodass auch mehr Interaktivität mit dem Lernmaterial stattfinden kann. Das hilft wiederum auch anderen Kindern, ganz individuell mit dem Lernmaterial zu arbeiten.

In Ihrer Doktorarbeit geht es sehr viel um das Universelle Design – was ist das? Weiterlesen …

Hörbuchsprecher mit Instinkt für feine Töne

Edwin Diele, Hörbuchsprecher in der DZB, über lange Fußnoten in Hörbüchern, den Idealfall eines gut gesprochenen Buches und worauf es ankommt bei der Lesung eines Hörbuches.

Sie haben ein Tonmeisterstudium in Berlin gemacht und arbeiteten danach als Toningenieur. Seit 2007 sind Sie Live-Sprecher bei MDR Kultur. Wie kam es dazu, dass Sie vom Tonmeister sozusagen auf die andere Seite zum Sprecher gewechselt sind? Weiterlesen …

Barrierefreier Hörbuch-Download per DZB-App

Seit 2016 können die Nutzer der Hörbücherei ihre Bücher mithilfe einer App für iOS- bzw. Android-Geräte herunterladen. Die kostenlose DZB-App beinhaltet den gesamten DZB-Hörbuchkatalog mit ca. 40.000 Titeln und verschiedene Recherche-, Verwaltungs- und Ausleihfunktionen, die der Nutzer über sein persönliches Konto ausführen kann. Jan Blüher, blinder Informatiker, hat die App im Auftrag der DZB entwickelt.

Eine Person mit Kopfhörern hat den Finger auf einem Tablet
Hörbuchdownload

Beschreiben Sie uns bitte die DZB-App! Was kann die App und wer soll sie nutzen?

Die DZB-App hat im Kern drei Hauptfunktionen: Man kann in den Katalogen aktuell nach DAISY-Büchern und Hörfilmen suchen, man kann die Suchergebnisse klassisch und online bestellen und man kann sowohl die Hörbücher als auch die Hörfilme direkt in der App anhören. Bei der klassischen Bestellung dauert es wegen der Postsendung ja mindestens ein oder zwei Tage bis das Buch ankommt und ich es anhören kann. Mit der App kann man das gleiche Buch sofort bestellen und nach wenigen Sekunden mit dem Anhören beginnen. Das finde ich selbst auch sehr gut. Seit es diese Möglichkeit gibt, höre ich auch wieder öfter Bücher der DZB.

Welche besonderen Herausforderungen gab es bei der Programmierung? Weiterlesen …