Das neue iPhone SE 2: Perfekt, handlich, blindenfreundlich

Ein Gastbeitrag von Katja Löffler

Im April hat Apple endlich das iPhone SE der 2. Generation vorgestellt. Schon sein Vorgänger, das iPhone SE der 1. Generation, erfreute sich großer Beliebtheit und ist bei vielen Besitzern noch immer im Einsatz. Während Smartphones immer größer werden, war das alte SE mit seinem 4-Zoll-Display noch richtig handlich und klein. Allerdings ist es mittlerweile in die Jahre gekommen. 2016 erschienen, bietet es nunmehr doch ziemlich veraltete Technik, außerdem erhält es keine aktuellen Software Updates mehr von Apple. Daher lohnt sich gerade für blinde Nutzer ein Blick auf die neue Version des beliebten iPhone SE. Hier gibt es einige interessante Punkte, die es für unseren Personenkreis sehr attraktiv machen. Weiterlesen …

Mit dem Jaws-Tandem durch Corona-Zeiten

Tastatur mit Braillezeile

Ein Gastbeitrag von Katja Löffler

Homeoffice erfährt durch die Corona-Krise einen großen Schub nach vorn. Für die Firmen, die ihren Mitarbeitern bereits vorher die Möglichkeit zum Homeoffice boten, war es wohl weniger ein Sprung ins kalte Wasser, als für diejenigen, für die Homeoffice totales Neuland war. Home-Arbeitsplätze mussten in Windeseile eingerichtet, sichere Verbindungen zu Firmennetzwerken aufgebaut und Softwarelösungen gefunden werden. Weiterlesen …

Zum Glück kann man noch joggen

göffneter Laptop mit Blumenvase und Tasse

Homeoffice in Zeiten von Corona

Wenn ich aus den großen Fenstern unseres Esszimmers schaue, sehe ich das Einfamilienhaus und den Garten unserer Familie von gegenüber. Überall blüht Forsythia und morgens holt Herr D. die Zeitung aus dem Briefkasten. Ich sitze an unserem großen Esstisch am Laptop, checke meine E-Mails und höre in den Nachrichten die neuesten Fallzahlen der Corona-Infizierten. Seit zwei Wochen arbeite ich, wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen), im Homeoffice. Ein kleiner Teil der Belegschaft hält die Produktion aufrecht. Bücher kann man schlecht im Homeoffice drucken oder im Studio auflesen. Auch können unsere Nutzerinnen und Nutzer per Telefon und E-Mail immer noch Bücher ausleihen und kaufen. Diesen Service garantieren wir.

Alles erscheint mir so unwirklich: die Kontaktverbote, die Menschen im Supermarkt mit Mundschutz und Einweghandschuhen, die Abstandsmarkierungen an den Kassen des Supermarktes, die geschlossenen Geschäfte, Museen, Theater, Restaurants und Kinos. Ich sitze am Laptop und schreibe einen Artikel für „in puncto dzb lesen“. Ich bin Redakteurin des Kundenmagazins, das online, aber auch in Brailleschrift und als Hörzeitschrift erscheint. Ich schaue auf den Bildschirm meines Laptops und überlege, wie ich in der nächsten Ausgabe über unsere Arbeit in diesen außerordentlichen Zeiten schreiben kann. Doch immer wieder kreisen meine Gedanken um meine betagte Schwiegermutter, die zur Risikoperson gehört und die jetzt sehr einsam ist, weil wir sie nicht besuchen können. Ich sorge mich um meine Töchter: Die eine ist Ärztin und kann täglich mit dem Virus infiziert werden. Die andere ist Musikerin und auch jetzt sehr kreativ, wenn es darum geht, Musik zu produzieren.

Bücher sind wichtig – gerade jetzt

Ich stelle mir vor, wie es meinen jungen Kolleginnen und Kollegen geht, die zu Hause arbeiten und außerdem noch ihre Kinder zu betreuen haben. Eine oder zwei Wochen mag das vielleicht gut gehen, aber dann? Wir sind nur zu zweit. Mein Mann hat sich am Schreibtisch im ehemaligen Kinderzimmer eingerichtet. Zu den Mahlzeiten treffen wir uns dann.

Meine Freundin hat angerufen. Sie hätte endlich mal alle Gardinen waschen können und  viel zu viel Kuchen gebacken. Und ob ich noch ein paar Bücher hätte. Sie wollte sich eigentlich welche ausleihen, aber die Bibliotheken sind ja geschlossen. Bücher sind wichtig, denke ich, gerade wenn soziale Kontakte fehlen. Ich schreibe Rezensionen zu neuen Braille- und Hörbüchern aus dem dzb lesen und stelle sie auf unsere Internetseite. Eine Buchempfehlung schicke ich an die Redaktion der „Sichtweisen“.

Auch auf den Social Media-Kanälen, wo ich für dzb lesen unterwegs bin, dreht sich alles um die Corona-Krise. Nein, ich lese auf Facebook nicht die eingegangenen Posts von Verschwörungstheorien und anderen Horrormeldungen. Vielmehr ärgere ich mich über den Begriff social distancing, den man jetzt so oft gebraucht. Er suggeriert sozialen Abstand und meint aber körperlichen. Dabei ist gerade jetzt soziale Nähe zu Personen, die wir nicht treffen können, ganz wichtig. Und dann stelle fest, wie schnell sich Organisationen vernetzen, um beispielsweise blinden und sehbehinderten Menschen in Zeiten des körperlichen Kontaktverbotes zu helfen. Ich frage mich: Wie schaffen es jetzt blinde Menschen, einkaufen zu gehen ohne sich einer Virus-Gefahr auszusetzen?

Wenn zu viele Fragen in meinem Kopf schwirren, laufe ich mir den Kopf frei: Zum Glück kann man ja noch joggen.

Wir haben einen neuen Namen

Vielleicht hat der eine oder andere es schon gehört oder gelesen. Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB) heißt jetzt Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen). Lesen vermittelt Wissen, öffnet Türen zu verborgenen Welten, hilft Empathie zu entwickeln und komplexe Zusammenhänge zu begreifen.  Seit seiner Gründung im Jahr 1894 ermöglicht unser Haus mit Büchern, Zeitschriften und anderen Medien barrierefreies Lesen und stillt damit Wissensdurst und Bücherhunger. Weiterlesen …

Unterwegs nach Deutschland

Péter Iván ist Nutzer des dzb lesen. Das Besondere: Er ist Ungar und liest bzw. hört die Bücher auf Deutsch. Im Interview erzählt der Budapester, der italienische Sprache und Kultur studierte und seit 2005 als medizinischer Masseur in dem berühmten Széchenyi-Bad tätig ist, über seine Arbeit, seine Heimatstadt Budapest, seinen Alltag als Vater einer sechsjährigen Tochter und seinen größten Wunsch, in Deutschland zu leben.

Sind Sie geburtsblind oder späterblindet? Weiterlesen …

„Augen zu und mal hören, wie ein Hörfilm wirkt.“

Dokumentarfilme über gesellschaftlich relevante Themen, wie zum Beispiel Ökologie, Klimaschutz und Demokratie sorgen in der Öffentlichkeit für engagierte Debatten. Das Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK) lässt seit einigen Jahren auch blinde und sehbehinderte Menschen daran teilhaben. Das Angebot an barrierefreien Hörfilmen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Ein Beitrag von Gabi Schulze. Weiterlesen …

Deutschland im Mini-Format

Was macht eigentlich eine Kartografin im dzb lesen? Und was bedeutet Kartografie für taktile Medien?

Matritze und Zeichnung einer taktilen geografischen Karte
Herstellen einer Matritze                                                                                                                                                                             

Anke Nordmann zieht einen wuchtigen Ordner aus dem Regal und blättert darin. „Der Deutschlandatlas von 1995 bestand aus einfarbigen Reliefkarten ohne ein Koordinatensystem“, sagt sie. „So einen Atlas können sich sehende, blinde und sehbehinderte Menschen nicht gemeinsam anschauen. Und ohne Koordinaten muss man sich alles merken, was ertastet wird. Da ist der neue Deutschlandatlas mit seinen transparenten Reliefs und den darunter liegenden farbigen Karten das ganze Gegenteil und handlicher noch dazu.“

Anke Nordmann ist Kartografin und arbeitet im dzb lesen als Relieftechnikerin. Als sie 1999 im dzb lesen (früher DZB) anfing, wurden die Pappen für die Matrizen (Vorlagen zur Vervielfältigung) noch von Hand geschnitten. Damals begann man gerade, den Europa-Atlas zu konzipieren. Sie traf sich in Gotha mit den Kartografen des Verlages, um erste Absprachen zu treffen. In Leipzig hat sie die Zeichnungen kontrolliert und alles das reduziert, was zu viel auf der Karte war.

Gründlich recherchieren und sorgfältig auswählen

Heute, beim neuen Deutschlandatlas, übernimmt sie die Kartografie der Karten selbst. Aber, was heißt das? Auf der Grundlage der Karten des Haack-Atlas und mithilfe einer Grafik-Design-Software erstellt sie neue generalisierte geografische Karten am Computer. Bei einer Generalisierung werden die Karteninhalte maßstabgetreu reduziert. Das ist notwendig, weil die haptische Wahrnehmung eine ganz andere als die visuelle ist und mit dem Finger viel weniger erfassbar ist als mit dem Auge.

Die Kartografin schließt unwichtige Informationen von der Darstellung aus und schafft Platz für wichtige. Sie entscheidet, welche geografischen Inhalte auf die Karten kommen. Regel Nummer 1: Die taktilen und die farbigen Karten müssen trotz ihrer Informationsdichte sowohl mit dem Finger als auch mit dem Auge gut lesbar und verständlich sein. Die Auswahl erfolgt vor allem nach der Größe der darzustellenden Objekte, wie z. B. der Städte nach Einwohnerzahl, der Flüsse, Seen, Meere, Inseln und Gebirge. Dabei sichtet die Kartografin bestehendes Kartenmaterial, recherchiert in Lexika und Statistiken.

Und wie werden nun Städte, Grenzen, Seen und Berge dargestellt? Anke Nordmann geht an ihren Rechner, ruft ihre Grafik-Software auf und zeigt, wie beispielsweise Staatsgrenzen mit roter Linie, innerstaatliche Grenzen mit gepunkteter Linie, Städte als unterschiedlich große Punkte, Berge als Dreiecke, Kanäle mit kammförmiger Linie usw. digitalisiert werden. Sogar die Höhenschichten vom Flachland bis in die Gebirge kann sie wiedergeben. Hier ist äußerst genaues Arbeiten sehr wichtig.

Gut verständlich mit Register und Legende

Für Sehende und Sehbehinderte sind die Karten sicher gut lesbar. Aber für blinde Menschen? Die Kartografin holt die geografische Karte des Bundeslandes Sachsen hervor und zeigt ein transparentes Relief. Sie fährt mit ihren Fingern über die unterschiedlichen Schichten und weist auf die dreieckigen Symbole und die unterschiedlich großen Punkte hin. „Die taktilen Symbole und Linien müssen sich gut voneinander unterscheiden. Sie sind in der Legende erklärt. Das ist für die bessere Lesbarkeit erforderlich“, erläutert sie. Auch gäbe es eindeutige Regeln für die Brailleschrift und deren Tastabstände zu Symbolen. Dann macht Anke Nordmann auf das Koordinatensystem am waagerechten und senkrechten Rand der taktilen Karten aufmerksam. „Mithilfe der Koordinaten und einem Register sind die Namen von Stadt, Fluss und Co. relativ schnell auffindbar“, erklärt sie. „Aus Platzmangel können sie auf der taktilen Karte nicht in Brailleschrift ausgeschrieben werden. Die Abkürzungen werden aber im Register aufgeschlüsselt.“

Das Generalisieren der Karten ist der erste Arbeitsschritt bei der Herstellung von Atlanten, viele andere folgen. So werden auf dieser Grundlage Matrizen gebaut und Reliefs tiefgezogen. Eine sehr arbeits- und zeitintensive Produktion. Doch der Arbeitsaufwand lohnt sich auch in Zeiten digitaler Navigation. Taktile Atlanten werden vor allem von Schulen bestellt und im Unterricht eingesetzt. Und wer Geografie als Kind schon cool fand, der wird auch später die Freude am taktilen Erkunden von geografischen Karten nicht verlieren.
So geht es auch Anke Nordmann, die ihre Liebe zur Kartografie in die Reliefs einfließen lässt. Bei ihrer Arbeit reist sie in Gedanken durch Stadt und Land und kennt dabei keine Grenzen.

Verschenken oder selbst behalten

Um Übersichtlichkeit und Platz zu schaffen, besteht der Deutschlandatlas aus einer Gesamtkarte mit allen Bundesländern und zusätzlichen Karten für jedes Bundesland. Diese sind auch einzeln zu kaufen. Wir bieten den Atlas kombiniert (transparentes Relief und farbige Karte), im Relief oder nur als farbige Karte im Großdruck an.

Zudem gibt es bei uns einen Deutschlandatlas für Einsteiger, d. h. für Schüler und Menschen, die wenig Erfahrung mit taktilen Karten haben. Hier wurden die Karten auf wesentliche geografische Angaben noch mehr reduziert.

Weitere Informationen und Preise: www.dzblesen.de (Verkauf/Reliefs/Geografische Karten)
Bestellungen unter: 0341 7113119 und

verkauf@dzblesen.de Weiterlesen …