Katja Oskamp über Fußpflege und ihr Buch „Marzahn, mon amour“

Im Frühsommer erschien Katja Oskamps Geschichtenband „Marzahn, mon amour“ im dzb lesen (Voll- und Kurzschrift, Großdruck). Darin erzählt die Autorin Geschichten einer Fußpflegerin, die in Berlin-Marzahn, dem größten Plattenbaugebiet der ehemaligen DDR, arbeitet und hier meist Rentnern, Alteingesessenen und in die Jahre Gekommenen begegnet. Das Leben in der einstigen DDR hat diese geprägt und die Wende aus der Bahn geworfen. Katja Oskamp schenkt deren Lebensläufen ein Ohr und macht sie für die Öffentlichkeit sichtbar. Es sind zum Teil witzige, aber auch traurige und ergreifende Porträts – immer individuelle Schicksale, die die Autorin mit großer Anteilnahme, Gespür für Komik und vor allem mit viel Wärme und Menschlichkeit zeichnet. Weiterlesen …

Museumsnacht 2018 in Leipzig und Halle: Das ist Kult!

Einmal im Jahr, wenn es dämmert, die Lichter langsam an- und viele Türen aufgehen, laden Museen, Bibliotheken sowie Ausstellungshäuser in Leipzig und Halle zur Museumsnacht ein. So erwarten am 5. Mai 2018 viele Einrichtungen unter dem Motto „Kult“ ihre Gäste mit einem besonderen Programm und Aktionen zum Mitmachen. Kult ist die Museumsnacht in diesem Jahr selbst, denn das Event jährt sich zum zehnten Mal. Ein kleines Jubiläum!

Briefkasten mit Flyer "Gedicht von Wilhelm Busch"
Hier kommen die Postkartengrüße in Brailleschrift hinein

Die DZB macht schon lange mit: Von 18 bis 24 Uhr verwandelt sie sich auch in diesem Jahr in das Postamt der Museumsnacht. Besucher können hier Postkartengrüße in Brailleschrift schreiben und versenden. Die Nachtschwärmer lernen Louis Braille kennen, eine Person mit Kultstatus, die die Blinden- oder Brailleschrift erfunden hat. Sie erfahren, wie taktile Kinderbücher, Braille- und Hörbücher hergestellt werden und wie Brailleschrift gedruckt wird.

Pichtmaschine mit Postkarten
Postkarten in Brailleschrift mit der Pichtmaschine schreiben

Zur Erinnerung an die Museumsnacht erhalten die Gäste druckfrisch ein Gedicht vom Kultautor Wilhelm Busch, natürlich in Brailleschrift und in großer Schrift. Objekte mit Kultfaktor lassen sich leicht finden: Egal ob es die mehrbändige Ausgabe von „Herr der Ringe“ in Brailleschrift ist, das in der DZB erschienene Hörbuch des Rammstein-Keyboarders Flake, in das die Besucher bei einem Gläschen Wein reinhören können. Oder aber kultige Sandmännchen-Reliefs, die verschenkt werden.

Smartphones für Blinde – ist das Magie? Und können Spiele für Blinde Kult sein? Besucher bekommen Antworten auf diese Fragen. Auch auf: Was ist eigentliche Audiodeskription im Theater? Das Schauspiel Leipzig ist auch da und erklärt es.

Ein Besuch in der DZB lohnt sich!
DZB, Gustav-Adolf-Straße 7, von 18 bis 24 Uhr

Lesung mit Kerstin Preiwuß

„Leipzig liest“ – so heißt es auch 2018 zur Buchmesse in Leipzig. Die DZB ist wieder mit dabei und lädt am 16. März, um 20 Uhr, zu einer Lesung mit Kerstin Preiwuß ein. Die Schriftstellerin wird aus ihrem neuen Buch „Nach Onkalo“ vorlesen. Ihr Roman stand im letzten Jahr auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Worum geht es in dem Roman? Weiterlesen …

Bevor wir eine Geschichte verschenken …

Vier Kinder mit ihren Skateboards, einer springt
Titelblatt des Buch im MAXI-Druck

Jedes Jahr am 23. April, zum Welttag des Buches, begeistert die Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ in ganz Deutschland viele Kinder. In Buchhandlungen, Schulen und Bibliotheken erhalten die Steppkes zum Lesefest ein Buch mit einer spannenden Geschichte, die sie gemeinsam lesen.

Die DZB produziert das Buch mit Unterstützung des Fördervereins „Freunde der DZB e. V.“ in Brailleschrift, E-Braille sowie in MAXI-Druck und verschenkt es an alle interessierten Blindenschulen, Bibliotheken und Vereine. Dadurch ist es auch blinden und seheingeschränkten Kindern möglich, an diesem Lesefest teilzunehmen. Doch bevor die Kinder das Buch in den Händen halten können, steht eine Menge Arbeit an.

Januar

Der Titel des aktuellen Kinderbuches zur Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ steht fest. Unklar ist noch, ob die DZB die Nachdruckgenehmigung des Verlages erhält. Als erstes fragt sie also beim Verlag Random House an, ob sie das Buch in Brailleschrift und MAXI-Druck produzieren kann. Das klappte bisher prima: Der Verlag erteilt uns die Druckgenehmigung und schickt uns die erforderlichen Daten.

Februar

Nun kann’s losgehen! Zunächst wird das Buch mithilfe moderner Software in Kurz- und Vollschrift übertragen und danach Korrektur gelesen. Währenddessen schreiben wir alle Schulen an. Sie sollen uns mitteilen, wie viele Exemplare in welchen Editionsformen sie brauchen. Inzwischen haben wir auch die Nachdruckgenehmigung für das Cover des Buches im MAXI-Druck erhalten.

März

Wir beginnen mit der Produktion des Buches im MAXI-Druck. Als erstes wird das Layout nach verschiedenen Standards festgelegt. Bis Anfang März liegen uns die Bedarfsmeldungen der Schulen vor. Jetzt wird die Auflagenhöhe je Editionsform festgelegt und der Braille-Druck kann erfolgen. Danach haben die Mitarbeiter der Buchbinderei alle Hände voll zu tun. Parallel dazu werden im Studio CDs mit den Daten für die E-Braille-Ausgabe gebrannt und das Cover für die CD-Hüllen gedruckt.

April

Die Druckmaschine für die Bücher im MAXI-Druck läuft auf Hochtouren. In knapp drei Wochen müssen die Bücher fertig sein. Den letzten Schliff erhalten sie durch eine Spiralbindung. Nun sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Versands dran. Bei ihnen türmen sich sowohl die Bücher in Kurz- und Vollschrift als auch die Bücher im Maxi-Druck. Jedes Buchpaket erhält eine Adresse und wird einige Tage vor dem 23. April an die Empfänger verschickt.

Es ist soweit! Das Kinderbuch erreicht die Schulen, Bibliotheken und Vereine. Blinde und seheingeschränkte Schülerinnen und Schüler können es gemeinsam mit sehenden am Welttag des Buches oder auch später lesen.

 

Ein starkes Team beim Korrekturlesen

Caroline Waldenburger (W.) und Anja Lehmann (L.) lesen seit 10 Jahren in der DZB gemeinsam Korrektur. Ob Sachbuch, Roman oder Kinderliteratur ─ jedes Buch erfordert von den Korrekturleserinnen neben höchster Konzentration und Allgemeinwissen auch eine gute Zusammenarbeit und Offenheit im Umgang miteinander. Ganz sicher eint beide auch die Leidenschaft für Bücher. Für Caroline Waldenburger, die seit 15 Jahren eher zufällig von der DZB hörte und seitdem hier als Übertragerin und Korrekturleserin arbeitet, gehören Bücher zum täglichen Leben. Anja Lehmann, die blind ist, liest auch gern mal ihren Neffen oder in großer Runde zum Vorlesetag spannende Geschichten vor. Sie arbeitet neben ihrer Tätigkeit als Korrekturleserin auch als freiberufliche Übersetzerin. Was für sie am Korrekturlesen interessant ist und welches Buch sie ihrer Kollegin empfiehlt, lesen Sie im Folgenden.

Wie geht das Korrekturlesen vonstatten?

L.: Beim gemeinsamen Korrekturlesen hat die sehende Kollegin das Originalbuch vor sich und ich nutze einen Probeausdruck in Brailleschrift. Wir lesen uns den Text gegenseitig vor, um festzustellen, ob meine Version mit dem Original übereinstimmt und alle Besonderheiten berücksichtigt wurden. Wenn wir einen Fehler finden, markieren wir ihn in beiden Exemplaren. Die Korrekturen werden dann von der Übertragerin ausgeführt.

Welches Buch lesen Sie gerade Korrektur? Und worum geht es in dem Buch?

W.: Wir lesen den „Kritischen Bericht der Orgelwerke I“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, das sind musikwissenschaftliche Texte. Das zweite Buch, das wir Korrektur- lesen, ist ein populärwissenschaftliches Buch von Ernst Peter Fischer „Durch die Nacht“, eine Naturgeschichte der Dunkelheit.

L.: Der Leser erfährt in der Naturgeschichte der Dunkelheit mehr über die Kulturgeschichte des Schlafens, Schlafforschung, Lebensrhythmen, aber auch über die nächtliche Aktivität des menschlichen Gehirns.

Sie lesen viele Bücher unterschiedlicher Literaturgenres. Welche sind Ihnen am liebsten? Weiterlesen …