Zwei Ameisen auf Reisen: ein taktiles Bilderbuch mit Tiergedichten

Lustige Gedichte machen Spaß und helfen gegen schlechte Laune. Sie kommen frisch und fröhlich daher und bringen Kinder und Erwachsene zum Lachen. Kennen Sie das Gedicht von den zwei Ameisen, die von Hamburg aus nach Australien reisen wollen? Ihre Reise findet allerdings schon in Altona ein jähes Ende, weil den beiden die Beine schmerzen.
Ein lustiges Gedicht von Joachim Ringelnatz – zu finden in dem Anfang Juni 2022 im dzb lesen erscheinenden taktilen Kinderbuch „Zwei Ameisen auf Reisen“. Es beinhaltet neben diesem noch weitere fünf kurze Tiergedichte von Joachim Ringelnatz, Janosch, Christian Morgenstern, Erwin Moser und Josef Guggenmos in Braille-Vollschrift und Großdruck.
So witzig wie die kurzen Gedichte sind, erscheinen auch die aus verschiedenen Materialien farbenfroh gestalteten Tierillustrationen.
Ein taktiles Bilderbuch zum Blättern, Vorlesen, Tasten, in dem sowohl sehende als auch blinde und sehbehinderte Kinder ab drei Jahren lustige Gedichte entdecken und Illustrationen von Tieren ertasten können.

Cover des Buches "Zwei Ameisen auf Reisen"
Taktiles Bilderbuch „Zwei Ameisen auf Reisen“

Idee und Konzept des Buches stammen von Verena Zimmermann. Sie hat die Gedichte ausgewählt und die Illustrationen entworfen. Verena Zimmermann studiert Spiel- und Lerndesign (Master) an der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle. Für ihr taktiles Bilderbuch erhielt sie im letzten Jahr den Grassi Nachwuchspreis, den Preis der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt sowie einen der drei Preise des Stadtmuseums Halle. Gabi Schulze hat die Künstlerin für „in puncto dzb lesen“ interviewt.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem dzb lesen? Und warum haben Sie ein taktiles Bilderbuch entworfen?

In meinem 2. Semester ging es um das Thema Lesen. Mit Büchern aufzuwachsen, ist ein Privileg und es bedeutet Geschichten zu erfahren, in andere Welten einzutauchen, zu entdecken, zu lernen und zu wachsen. Doch das können nicht alle Kinder erfahren. Als Designerin gestalte ich die Welt mit und habe dementsprechend auch eine Verantwortung für die Dinge, die ich mache. Daher ist es mir wichtig, dass ich da ansetze, wo ehrliche Mehrwerte entstehen. Barrierefreie Gestaltung ist für mich ein wichtiger Teil davon. Ich wusste, dass es kaum taktile Bücher für Kinder gibt, der Bedarf aber groß ist. Daher wollte ich genau daran arbeiten und ein Buch machen, dass für alle nutzbar ist. Ich traf mich mit der Designerin des dzb lesen Antje Mönnig, um herauszufinden, was es zu beachten gilt, wenn man taktile Bilderbücher gestalten möchte. Das hat mir sehr geholfen, in die Gestaltung meines Prototyps einzutauchen.

Das Buch gewann im Rahmen des Giebichenstein Designpreises 2020 gleich drei Preise, was mich sehr überwältigte. Das dzb lesen kam daraufhin auf mich zu und fragte an, ob sie die Herstellung des Buches übernehmen dürfen und ich habe zugesagt.

Wie haben Sie die taktilen Illustrationen entworfen? Waren erst die Bilder da und haben Sie danach die Tiergedichte gesucht oder andersherum?

Zuallererst waren die Gedichte da. Ich habe lange gesucht, um Gedichte zu finden, die sowohl von der Länge für mein Vorhaben geeignet waren sowie mir inhaltlich passend erschienen. Als ich dann eine kleine Sammlung zusammen hatte, fing ich an Skizzen zu machen und herauszuarbeiten, wie die einzelnen Tiere aussehen sollten. Danach baute ich kleine Mock-Ups (Anschauungsmodelle) von den jeweiligen Tieren um zu überlegen, aus welchen und wie vielen verschiedenen Elementen die taktilen Illustrationen bestehen sollen. Der aufwendigste Teil war allerdings die Suche nach passendem Material, das zu den jeweiligen Tieren passt.

Warum haben Sie gerade Tiergedichte für Ihr Tastbilderbuch ausgesucht?

Generell mag ich Gedichte sehr gern. Ich finde es toll, wie sie mit Sprache spielen, kleine Geschichten in kurzen Worten transportieren und den Spaß an der Sprache fördern. Als ich in meiner Recherche herausfand, dass es bisher kein barrierefreies Gedichtebuch gibt, war dies auch ein Grund, genau das umzusetzen. Außerdem, so denke ich, bieten sich gerade Gedichte an, um einen Einstieg in die Brailleschrift zu finden, da man sie sich schnell merken und sich so mehr auf die Schrift konzentrieren kann.
Die Wahl fiel dann letztendlich auf Tiergedichte aufgrund der gestalterischen Umsetzung, vor allem in Bezug auf Materialität: Wie fühlt sich eine Schnecke an? Wie kann man eine Ameise taktil darstellen? Solche Fragen finde ich viel spannender als beispielsweise die taktile Übersetzung von Alltagsgegenständen, erwartet jedoch höheres Abstraktionsvermögen. Allerdings hat man so im Buch die Möglichkeit ein Nilpferd zu streicheln. Das ist doch toll!

Aufgeschlagenes Buch mit Nilpferd unterm Baum
Taktile Illustration zum Gedicht „Die Feder“ von Joachim Ringelnatz

Welche Aufgaben übernahm das dzb lesen?

Das dzb lesen hat in dieser Kooperation zahlreiche Aufgaben übernommen. Zum einen kümmerte es sich um die Lizenzen der Gedichte. Des Weiteren wurde die gesamte Produktion des Buches vom dzb lesen übernommen. Mit eingeschlossen ist dabei die Überarbeitung der grafischen sowie taktilen Elemente des gesamten Buches, stets in enger Zusammenarbeit mit mir. Eine weitere Aufgabe des dzb lesen wird der Vertrieb des Buches sein.

Welches Tiergedicht in dem Buch gefällt ihnen am besten?

Am liebsten mag ich das Gedicht „Die Feder“ von Joachim Ringelnatz. Es handelt von einer Feder, die ein schlafendes Nilpferd wach kitzelt, um es zu necken. Dieses Gedicht bringt mich jedes Mal erneut zum Lachen.

Aufgeschlagene Doppelseite des Ringbuches mit taktiler Zeichnung und Text in Großdruck und Brailleschrift
Sechs Tiergedichte von Janosch bis Ringelnatz taktil illustriert

Welches war Ihr Lieblingskinderbuch, als Sie selbst Kind waren? Gibt es aktuell eins?

Meine Lieblingskinderbücher waren allesamt von Astrid Lindgren: „Ronja Räubertochter“, „Wir Kinder von Bullerbü“ und natürlich „Pippi Langstrumpf“. Mein liebstes Bilderbuch war damals: “Murkel ist wieder da” von Dieter Schubert. Aktuell könnte ich mich auch gar nicht entscheiden, es gibt so viele wunderbare Kinderbücher. Aber welches mich immer und immer wieder neu berührt, ist die Geschichte vom kleinen Prinzen.

Vielen Dank, Frau Zimmermann!

Zwei Ameisen auf Reisen: und andere Tiergedichte für Kinder, 6 taktile Illustrationen, Großdruck und Brailleschrift in Braillelack, 20 Euro (netto), Verkauf 11186

Die Produktion des Buches wird durch den Förderverein des dzb lesen „Freunde des barrierefreien Lesens e. V.“ unterstützt. Helfen auch Sie mit einer Spende für dieses wunderbare Buchprojekt: https://buch-patenschaft.de/ameisen/! Dadurch helfen Sie, dass das Buch in einer weiteren Auflage produziert und kostengünstig verkauft werden kann. Und so schaffen es die zwei Ameisen vielleicht doch noch über Altona hinaus in die weite Welt …

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