Das neue iPhone SE 2: Perfekt, handlich, blindenfreundlich

Ein Gastbeitrag von Katja Löffler
(Stiftung Centralbibliothek für Blinde, Hamburg)

Im April hat Apple endlich das iPhone SE der 2. Generation vorgestellt. Schon sein Vorgänger, das iPhone SE der 1. Generation, erfreute sich großer Beliebtheit und ist bei vielen Besitzern noch immer im Einsatz. Während Smartphones immer größer werden, war das alte SE mit seinem 4-Zoll-Display noch richtig handlich und klein. Allerdings ist es mittlerweile in die Jahre gekommen. 2016 erschienen, bietet es nunmehr doch ziemlich veraltete Technik, außerdem erhält es keine aktuellen Software Updates mehr von Apple. Daher lohnt sich gerade für blinde Nutzer ein Blick auf die neue Version des beliebten iPhone SE. Hier gibt es einige interessante Punkte, die es für unseren Personenkreis sehr attraktiv machen.

Neues iPhone in bekanntem Gehäuse

Das neue iPhone SE steckt in einem altbekannten Gewand. Allerdings nicht in dem des alten SE, sondern im Gehäuse des iPhone 8. Das bedeutet ganz konkret: Es ist gewachsen. Statt der alten 4 Zoll hat es nun eine Displaydiagonale von 4,7 Zoll. Wer das iPhone 8 noch nie in der Hand hatte, die iPhones 6 und 7 haben die selbe Größe, nicht die Plus-Variante.
Im Vergleich zum aktuellen iPhone 11, mit einer Bildschirmdiagonale von 6,1, ist es aber immer noch verhältnismäßig klein und wesentlich leichter.
Genau wie beim iPhone 8 besteht auch das Gehäuse des neuen iPhone SE aus einem Aluminiumrahmen, sowie einer Vorder- und Rückseite aus Glas.

Keine Plus-Variante, aber ein Plus an Leistung

Das iPhone SE gab es nie in einer größeren Plus-Variante, wie bei den anderen iPhone-Versionen. Dies ändert sich auch bei der neuen Generation des SE nicht. Dafür steckt viel mehr Leistung drin, als im alten SE oder auch im iPhone 8. Apple hat das neue SE mit seinem Top-Prozessor, dem A13 Bionic Chip und 3 GB Arbeitsspeicher ausgestattet. Damit bekommt man eine ordentliche Performance. Display und Kamera sind nicht das aller Neueste, was Apple zu bieten und z.B. im Flaggschiff 11 Pro verbaut hat, aber dennoch sind die Komponenten ausreichend gut.

Mit NFC, Bluetooth 5.0 und Wi-Fi 6 bietet das neue SE auch sehr gute Verbindungsoptionen. Für den Sound sind zwei Lautsprecher verbaut. Einen 3,5-Klinken-Anschluss, z.B. für Kopfhörer, gibt es aber auch hier nicht mehr. Der Standard ist weiterhin der Lightninganschluss.

Zwei interessante Merkmale

Zum einen ist die Home-Taste auch in der neuen Generation noch verbaut. Ein weiterer Pluspunkt für blinde Menschen dürfte auch die bereits tot geglaubte Touch ID sein. Das neue SE lässt sich weiterhin mit dem Fingerabdruck entsperren und nicht, wie bei den anderen aktuellen Modellen mit Face ID. Viele blinde Nutzer berichten, dass das Entsperren per Gesichtserkennung nicht so leicht zu handhaben ist und häufig nicht zuverlässig funktioniert.

Vor allem ist in Zeiten von Corona und Gesichtsmaske ein Fingerabdrucksensor ganz klar im Vorteil gegenüber einer Face ID, auch wenn Apple in seiner neuesten Softwareversion IOS 13.5 eine Gesichtserkennung mit Maske ermöglicht haben will.

Die Einsparungen

Da das neue iPhone SE als günstiges Einsteigermodell von Apple gehandelt wird, gibt es natürlich auch ein paar Einschränkungen im Vergleich zu den anderen neuen Modellen von Apple. Die Bildschirmauflösung ist niedriger als beim iPhone 11, im Vergleich zum iPhone 8 aber doch verbessert worden. Als Kamera ist nur eine Single-Kamera verbaut, die aber trotzdem ordentliche Ergebnisse produziert. Für die Nutzung von Text- und Bilderkennungs-Apps wie Seeing AI oder KNFB-Reader ist sie vollkommen ausreichend. Zwei Punkte also, die für blinde Menschen nicht von allzu großer Bedeutung bzw. von allzu großem Nachteil sind.

Eine echte Empfehlung

Ist man blind und möchte sich ein iPhone zulegen oder sein altes Gerät durch ein neues ersetzen, so lohnt sich wirklich ein Blick speziell auf das neue iPhone SE der 2. Generation. Auch wenn es als Einsteigermodell gilt, ist es aber trotzdem sehr üppig und modern ausgestattet worden. Das Preis-Leistungsverhältnis kann sich hier absolut sehen lassen. Das iPhone SE 2 gibt es in den Farben schwarz, weiß und rot, sowie in den drei Speichergrößen 64, 128 und 256 GB. Das Einsteigermodell mit 64 GB ist bereits ab 479 € erhältlich.

Die Vorteile

  • Mit 4,7 Zoll Bildschirmdiagonale mit Abstand das kleinste, handlichste und aktuellste Smartphone von Apple
  • Keine Face ID, sondern noch der Fingerabdrucksensor zum Entsperren
  • Gesichtsmaskentauglich
  • Die Home-Taste ist hier noch vorhanden
  • Die Kamera arbeitet hervorragend mit Foto- und Texterkennungs-Apps zusammen
  • Sehr attraktives Preis-Leistungsverhältnis

Die Nachteile

Die eben aufgeführten Vorteile des iPhone SE 2 halte ich vor allem für blinde Menschen für gegeben. Sehbehinderte Smartphone-Nutzer sind möglicherweise mit einem Gerät mit größerer Bildschirmdiagonale besser bedient, da sie für die Nutzung ihren Sehrest noch anwenden können und dafür auch eine bessere Auflösung benötigen.

Auch für blinde Menschen kann unter gewissen Umständen ein größerer Bildschirm praktischer sein: Wenn man z.B. recht große Hände hat, kommt man möglicherweise auf einer größeren Fläche besser zurecht.

Ansonsten sehe ich keine Nachteile, die gegen die Anschaffung des neuen SE sprechen könnten. Für jene, für die optische Spezifikationen kaum eine Rolle spielen, sind das günstigere Display und die einfachere Kamera keine Gründe, das SE 2 links liegen zu lassen. Diese Einsparungen sind es, die das neue iPhone so erschwinglich machen. Sie sind Abstriche für sehende Powernutzer, die viel fotografieren, Videos schauen oder spielen. Für blinde Menschen hingegen erweisen sich exakt diese Einsparungen als Pluspunkte.

 

2 Antworten auf „Das neue iPhone SE 2: Perfekt, handlich, blindenfreundlich“

  1. Hallo, was ist mit dem 3-D Touch, mit dem sich viele Dinge nutzen lassen vor allem gibt es Erleichterung! Diese fehlt bei diesem Handy, gibt es dafür Ersatz, bisher habe ich keinen gefunden, bitte um Rückmeldung

    1. Apple hat im iPhone SE 2020 keinen 3D-Touch-Sensor mehr verbaut. Man konnte damit mit unterschiedlichem Druck aufs Display Zusatzmenüs und Funktionen aufrufen.
      An seine Stelle trat das sog. Haptic touch, mit dem sich mit VoiceOver durch einen Doppeltipp und längeres Halten auf einer App ebenfalls Kontextmenüs aufrufen lassen.

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