Teufel Radio 3sixty geht in die nächste Runde

Ein Beitrag von Katja Löffler (Stiftung Centralbibliothek für Blinde, Hamburg)

Den von Teufel als „Weltempfänger des 21. Jahrhunderts“ angepriesenen Radiowecker habe ich an dieser Stelle bereits vorgestellt. Damals konnte ich dem Multitalent leider keine uneingeschränkte Barrierefreiheit bescheinigen. Seit Ende 2020 gibt es nun eine überarbeitete Version. Was hat sich verändert und ist die Neuauflage zugänglicher geworden?

Was kann das Teufel Radio 3sixty

Das 3sixty wird vor allem als kompakter und klangstarker Digitalradiowecker beworben. Doch das Gerät bietet noch viel mehr: Empfang von Radiosendern über DAB+, UKW und Internet, Abspielen von Musik auf dem Smartphone per Bluetooth sowie Anschluss von CD-Playern und anderen Geräten an den Aux-Eingang per 3,5-Klinke-Stecker. Ein USB-Anschluss, der auch Geräte aufladen kann, ermöglicht das Abspielen von Dateien auf USB-Sticks. Neu: Neben dem Musikstreaming-Dienst Spotify unterstützt das 3sixty jetzt auch Amazon Music.

Aussehen und Haptik

Hier hat Teufel nichts verändert. Es ist ein kleines, auf vier Füßchen stehendes Radio im Retro-Look mit nach unten abstrahlendem Bassreflexrohr und mit Stoff bespanntem, nach oben abstrahlendem 2-Wege-Lautsprecher. Es hat Drucktasten, zwei große Drehknöpfe und eine Teleskop-Antenne.

Die Funktionstasten sind noch richtige Tasten, die sich allerdings leider sehr weit unten am Gerät befinden und sich taktil nicht besonders deutlich vom Gehäuse abheben. Da hätte Teufel gern nachbessern dürfen. Mit Markierungspunkten könnte man sich hier jedoch gut behelfen. Für jede Radioempfangsart gibt es nun nicht mehr nur 5, sondern 30 Stationsspeicherplätze. Über ein Display können Uhr- und Weckzeit abgelesen und das Radio konfiguriert werden.

Alexa jetzt auch mit an Bord

Die größte und vielleicht interessanteste Veränderung: Das 3sixty unterstützt jetzt Alexa, die Sprachassistentin von Amazon. Allerdings ist Alexa nicht direkt eingebaut. Zunächst muss man sein 3sixty mit einem vorher angelegten Konto beim Smart-Radio-Dienst Frontier Nuvola verknüpfen. Das ist zwar etwas umständlich, der Dienst ist aber kostenlos und so gut bedienbar, dass er auch für Blinde einen Mehrwert bietet. Einmal verknüpft, lassen sich Internetradiosender oder unterstützte Streamingdienste über Alexa-Sprachbefehl auf dem Gerät abspielen.

Bedienung und Einrichtung

Von Sehenden kann das Gerät über das Display eingerichtet und bedient werden. Zusätzlich gibt es eine App, über die die meisten Funktionen ebenfalls zugänglich sind.

Teufel hat seinem 3sixty nun auch eine kleine Fernbedienung spendiert. Diese bringt für uns bezüglich der Bedienung des Gerätes jedoch keine weiteren Erleichterungen mit sich. Aber auch blinde Menschen müssen nicht auf das Tastengefühl verzichten. Der rechte Drehregler, mit welchem man durch Listen navigiert, rastet beim Drehen in jeder Position deutlich fühlbar ein. Das macht eine grundsätzliche Nutzung durch blinde Menschen auch ohne Sprachausgabe möglich. Ausgehend von den Funktionen in der unteren Tastenreihe, lässt sich die gewünschte Auswahl mit dem Drehrad einstellen. Rundlauf ist sowohl im als auch gegen den Uhrzeigersinn möglich. Hierfür muss man natürlich mitzählen und wissen, an welcher Stelle was sitzt.

Die App

Auch die App ist noch die Gleiche. Aber die Ersteinrichtung lässt sich nun grundsätzlich auch von Blinden vollständig über diese App durchführen, allerdings gibt es hier einige Tücken in der Bedienung mit Voice Over. Der Screenreader hängt im Einrichtungsbildschirm oft fest, das Vorgelesene entspricht nicht immer der Darstellung auf dem Bildschirm. Hier braucht es viel Geduld und Fingerspitzengefühl, nur mit Wischgesten allein, kommt man nicht zuverlässig weiter.

Zur Ersteinrichtung muss sich das Radio im Einrichtungsmodus befinden. Für gewöhnlich ist es das beim ersten Einschalten auch, falls aber nicht oder ist man aufgrund eines Fehlers gezwungen, die Einrichtung nochmals neu zu beginnen, braucht man sehende Hilfe, um am Gerät den Einrichtungsmodus wieder zu aktivieren.

Hat man das Gerät erfolgreich eingerichtet, ist aber die App für blinde Smartphone-Nutzer sehr gut bedienbar. Fast alle Schaltflächen sind aussagekräftig beschriftet. Die Quellenauswahl, Abspielen von Streamingdiensten, das Favorisieren und Anwählen von Radiostationen, Navigieren auf USB-Sticks oder die Verbindung über Bluetooth, sind problemlos möglich.

Keine Verbesserung hat es leider bezüglich der Wecker- und der Equalizer-Einstellung gegeben. Während sich Wecker nur am Gerät und mit Hilfe des Displays einstellen und verwalten lassen – diese Einstellung hat es immer noch nicht in die App geschafft – gibt es die EQ-Einstellung zwar, ist aber mit Voice Over völlig unzugänglich.

Fazit

Grundsätzlich ist das 3sixty auch für blinde Menschen zu empfehlen, allein wegen seiner vielfältigen Funktionen und des hervorragenden Klangs. Die meisten Funktionen sind für Blinde entweder über die App oder über das Gerät selbst bedienbar, wobei es für letzteres schon ein wenig Geschick und Aufmerksamkeit braucht.

Dennoch bleiben weiterhin Verbesserungswünsche offen: Wie wäre es z.B. mit einer Taste, die das Gerät sofort wieder in den Einrichtungsmodus schaltet? Das würde blinden Nutzern die Ersteinrichtung ohne sehende Hilfe deutlich erleichtern. Auch der Equalizer muss zugänglich gemacht werden, denn jeder möchte sein persönliches Lieblingsklangbild selbst einstellen können. Und nach wie vor vermisse ich die Einstellungsmöglichkeiten der Wecker über die App. Es kann nicht sein, dass ausgerechnet die Weckfunktion, mit der die Firma Teufel das 3sixty am stärksten bewirbt, für blinde Menschen unzugänglich bleibt.

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